Donnerstag, Oktober 28, 2021
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Intersolar Messe Deutsche Solarindustrie vor dem Comeback? Die bereits totgesagte deutsche Solarindustrie ist wieder lebendig geworden. Auf der Intersolar präsentiert sie sich selbstbewusst und sieht sich als Wegbereiterin für Klimaneutralität. Kommt der Solarboom 2.0? Von Notker Blechner.

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Die bereits totgesagte deutsche Solarindustrie ist wieder lebendig geworden. Auf der Intersolar präsentiert sie sich selbstbewusst und sieht sich als Wegbereiterin für Klimaneutralität. Kommt der Solarboom 2.0?

Im „Solartal“ in Sachsen-Anhalt geht wieder die Sonne auf. Seit der Schweizer Anlagenbauer Meyer-Burger im Mai zwei neue Fabriken für Solarzellen und -module in Thalheim und Freiberg gebaut hat, ist die Attraktivität eines Arbeitsplatzes in der Solarbranche in der Region sprunghaft gestiegen. An den beiden Standorten sollen zunächst rund 300 Arbeitsplätze geschaffen werden. Langfristig sind dort bis zu 3500 Arbeitsplätze geplant. „Wir haben vor einigen Jahren die Solarproduktion verloren und bringen sie jetzt wieder zurück“, kündigt Meyer Burger-Geschäftsführer Gunter Erfurt an. Rund 145 Millionen Euro investieren die Schweizer in die neuen Werke.

Auch andere Solarunternehmen expandieren. Der Photovoltaik-Hersteller Solarwatt baut seine Produktion in Dresden aus. Das Unternehmen hat vor kurzem eine neue Modulfertigungsanlage eröffnet. Bis 2023 will Solarwatt rund 35 Millionen Euro in neue Produktionsanlagen investieren.

Branchenkreise sagen, dass neben Solarwatt auch andere deutsche Unternehmen ihre Produktionskapazitäten in Europa erhöhen werden. „In den nächsten Wochen und Monaten wird es Neuigkeiten geben“, sagt ein Insider.

Die Branche steht vor einem unerwarteten Comeback, nachdem sie vor zehn Jahren fast untergegangen ist. Die chinesische Konkurrenz mit ihren günstigen Modulpreisen hatte die deutschen Hersteller in den Ruin getrieben. Einige gingen in Konkurs, andere wurden an ausländische Firmen verkauft.

Doch jetzt sind deutsche Unternehmen auf dem boomenden Weltmarkt plötzlich wieder wettbewerbsfähig. Die steigenden Transportkosten haben den Preisvorteil chinesischer Anbieter fast zunichte gemacht. Die Modulpreise sind seit Jahresbeginn um zehn Prozent gestiegen, mangels Chips sind Solarmodule plötzlich knapp. Zudem spielen Personalkosten keine entscheidende Rolle mehr, da die Produktion mittlerweile weitgehend automatisiert ist.

„Die Chancen auf eine Renaissance der deutschen Solarwirtschaft stehen gut“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) Theaktuellenews.com. Er weist auf den wachsenden politischen Druck hin. Will Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen, muss der jährliche Zubau auf 15 bis 16 Gigawatt mehr als verdreifacht werden.

Der Verband forderte deshalb von der künftigen Bundesregierung ein „Solarbeschleunigungsgesetz“. Zudem solle der „Solar Cap“ endlich abgeschafft werden, was letztlich Neuinvestitionen bremst, fordert Körnig. Körnig lehnt eine bundesweite Solardachpflicht ab, wie sie Baden-Württemberg ab dem kommenden Jahr einführen wird. Er hält großzügigere Einspeisevergütungen, die zu einer schnellen Amortisation der Investitionen führen, für den besseren Weg.

Beim Thema Photovoltaik auf Gewerbedächern herrscht bei Investoren bereits eine erhebliche Zurückhaltung. Im ersten Halbjahr ging die Expansion im Mai um 57 Prozent und im Juni sogar um 67 Prozent zurück. Nur dank der gestiegenen Nachfrage der Eigenheimbesitzer nach Photovoltaikanlagen konnte die installierte Leistung von PV-Anlagen in den ersten sechs Monaten um 22 Prozent gesteigert werden. Für das Gesamtjahr prognostiziert der BSW ein Plus von zehn bis 15 Prozent.

Die installierte Leistung in Deutschland soll demnach 2021 bei rund fünf Gigawatt liegen. Experten bemängeln, dass dies viel zu wenig ist. Um Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, müssten laut Volker Quaschning, Professor für Erneuerbare Energiesysteme an der HTW Berlin, jährlich 40 Gigawatt geschaffen werden.

Sollte die Politik den Mut finden, die Photovoltaik massiv auszubauen, dürfte die deutsche Solarindustrie einen ähnlichen Boom wie Anfang der 2000er Jahre erleben. Der Lobbyverband BSW träumt davon, dass es bis 2030 wieder gut 100.000 Arbeitsplätze in der Solarbranche geben wird. Aktuell gibt es nur noch gut 50.000 Stellen. Auf dem Höhepunkt des deutschen Solarbooms arbeiteten 133.000 Menschen in der Solarbranche.

Quaschning warnt vor zu viel Euphorie. Die deutschen Hersteller konnten im Massenmarkt nicht mithalten. Die Chinesen hätten mit ihrer Marktmacht klare Vorteile bei den Einkaufspreisen. Stattdessen sollten sich deutsche Unternehmen stärker auf den Premiummarkt konzentrieren, wo der Preis nicht so wichtig ist.

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