Dienstag, Oktober 26, 2021
StartWIRTSCHAFTInterview mit Telekom-Chef: „Die KI bringt uns jetzt sprunghaft“

Interview mit Telekom-Chef: „Die KI bringt uns jetzt sprunghaft“

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Herr Höttges, Sie haben Beethovens 10. Symphonie am Computer fertig geschrieben. Gefällt Ihnen, was Künstliche Intelligenz mit der unvollendeten Arbeit gemacht hat?

Jawohl. In der Tat. Ich bin begeistert von den Passagen mit Songcharakter, besonders die ruhigen Passagen sind sehr sensibel. Da höre ich Beethoven, die Handschrift ist erkennbar. Ob das dem Komponisten nahe kommt, müssen Experten entscheiden.

Das Werk wird an diesem Wochenende uraufgeführt, gespielt vom Beethoven Orchester in Bonn. Welche Reaktionen erwarten Sie?

Nichts wäre schöner als ein Skandal, dann hätte es die Leute zumindest bewegt. Auch Beethoven wurde mehrfach vertont. Es wird sicherlich kritische Stimmen geben, die sagen: Beethoven war besser! Vielleicht verneigen wir uns alle noch tiefer vor dem Genie Beethoven.

Und was erwartet die Telekom als Wirtschaftsunternehmen von dem Experiment?

Wir wollen, dass die Menschen ihre Berührungsängste mit der Technik verlieren. Das ist für uns nicht nur extern, sondern auch intern relevant. KI hilft uns, Fehler im System zu entdecken. Wir haben 260 Millionen Kunden; Probleme können überall auftreten, die Mitarbeiter nicht alleine lösen können. Deshalb steckt hinter jedem menschlichen Kontakt mit Kunden eine Masse an Technologie. Alle internen Prozesse, diese manuellen Papierschlachten, sind automatisiert. Alles, was wir tun, basiert auf einem Tsunami der Digitalisierung. Wir als Telekom sind mittendrin. Deshalb ist KI einer der Schlüssel, um Daten intelligent zu nutzen und automatisch zu verarbeiten.

Das Zusammenspiel zwischen Musikern und KI soll das deutlich machen?

Es zeigt, wie Mensch und Maschine zusammenarbeiten, um etwas Schönes zu schaffen. Außerdem haben wir das Programm mit Musik von Beethoven, seinen Zeitgenossen und älterer Musik gefüttert. Beethoven ist ohne Bach undenkbar. Das alles hat das System gelernt, die Elemente weiterentwickelt und maschinell-kreative Formen entworfen.

Und? Kann der Computer kreativ sein?

Die ersten Gehversuche waren enttäuschend. Wir hörten Musik, aber nicht Beethoven. Das hat die Maschine nach und nach gelernt. Es ist wie bei Bildern: Für einen Computer ist es schwierig zu entscheiden, was ein Hund und was eine Decke ist. Aber auch Beethoven hat seine Partituren unendlich oft zerrissen und überarbeitet. Sobald ich eine Rede halte, schreibe ich sie zehnmal um, bis das, was ich sagen möchte, da ist. Das ist völlig normal.

Könnte es sein, dass Sie mit dem schönen PR-Projekt von Ihren eigenen Problemen ablenken wollen?

Das Projekt ist ein Beitrag zur Untersuchung des Verhältnisses von Mensch und Maschine, einer wichtigen gesellschaftlichen Debatte. Unser Gehirn hat seit 50.000 Jahren kein Update mehr erhalten. Die KI bringt uns jetzt sprunghaft. Das finde ich super. Und von welchen Problemen sollte die Telekom ablenken?

Ihr neuer Großaktionär Softbank hat gerade ein Aktienpaket im Wert von 1,5 Milliarden Euro verkauft. Wieso den?

Die Aussage ist nicht wahr. Softbank hat keine Aktien verkauft, sie ist und bleibt der zweitgrößte Investor.

Warten wir ab, ob sich die Aktie erholt. Der Ausbau des Netzes bleibt eine Baustelle.

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