Donnerstag, Januar 20, 2022
StartWIRTSCHAFTInvestmentgesellschaft Pimco: Der nächste Finanzriese will Musikrechte kaufen

Investmentgesellschaft Pimco: Der nächste Finanzriese will Musikrechte kaufen

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EEin weiterer großer Name aus der Finanzwelt bereitet sich offenbar auf den Einstieg in den boomenden Markt für Musikrechte vor. Wie die „Financial Times“ berichtet, hat sich die Beteiligungsgesellschaft Pimco zu diesem Zweck mit der Musiksparte des Bertelsmann-Konzerns (BMG) zusammengetan. Wie viel Pimco investieren will oder welche Art von Rechten gekauft werden sollen, blieb zunächst unklar.

Pimco gehört zur deutschen Allianz Gruppe und verwaltet derzeit rund 2,2 Billionen Dollar. BMG äußerte sich auf Anfrage der FAZ nicht zu dem Bericht. Das viertgrößte Musikunternehmen der Welt hinter Universal, Sony und Warner Music ist im März 2021 eine Partnerschaft mit der Investmentgesellschaft KKR eingegangen. Gemeinsam wollen sie rund eine Milliarde Dollar in Pakete mit diversen Musikrechten investieren.

Kurz vor Weihnachten wurde mit dem Kauf der sogenannten „gesamten Musikinteressen“ der Band ZZ Top der erste gemeinsame Deal publik. Anfang dieses Jahres berichtete Bloomberg auch über den Kauf eines Rechtepakets von John Legend. Laut der britischen Finanzzeitung strebt Pimco vergleichsweise kleinere Deals an.

KKR und BMG haben kürzlich getrennt voneinander Akquisitionen getätigt. So übernahm die Bertelsmann-Gesellschaft Anfang Oktober vergangenen Jahres Turners Anteil an der Vermarktung ihrer Musikaufnahmen und ihrer Texte und Kompositionen sowie ihre Leistungsschutz- und Aufführungsrechte („verwandte Schutzrechte“) und Namensrechte , Bild und Ähnlichkeit. Ende November erwarb BMG auch die Rechte an den Aufnahmen der Heavy-Metal-Band Mötley Crüe.

Mitte Oktober schnappte sich KKR für rund 1,1 Milliarden Dollar einen Katalog mit rund 62.000 Werkrechten von Kobalt Capital, dem Investmentarm des britischen Musikkonzerns Kobalt Music. Das Paket beinhaltete „prioritäre“ Rechte an Kompositionen und Songtexten aus verschiedenen Musikgenres.

Darunter sollen auch Werke von Stars wie The Weeknd oder Lorde sein. Der Erwerb umfasst nicht die Rechte an diesen Aufnahmen. Diese sind getrennt von den Rechten an den zugrunde liegenden Texten und Kompositionen zu betrachten. Im jüngsten Boom wurden vor allem letztere, also Urheberrechte, verkauft.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass gerade ältere Künstler die Rechte an den Aufnahmen oft deutlich länger als üblich an ihre Labels abgetreten haben, um im Gegenzug eine Veröffentlichung zu finanzieren. Die Rechte fallen jedoch im Laufe der Zeit zurück oder können natürlich durch Verhandlungen wiedererlangt werden.

Bruce Springsteen beispielsweise hielt bis zuletzt auch die Rechte an seinen Aufnahmen und übertrug sie mit seinen Autorenrechten. Sein Deal mit Sony Music wird in Fachmedien auf 500 bis 550 Millionen Dollar geschätzt, doch die Nummer zwei der Musikbranche hält nun die kompletten Rechte am Werk des 72-jährigen Superstars. Es wird angenommen, dass der Verkauf der bisher größte Deal eines einzelnen Künstlers vor Bob Dylans Transaktion mit der Verlagsabteilung des Marktführers Universal Music ist. Bis zu 400 Millionen Dollar soll Dylan für die Rechte an den Texten und Kompositionen von mehr als 600 seiner Werke erhalten haben.

Längst gibt es eine große Zahl von Akteuren, die sich für Musikrechte interessieren. Dies ist zum einen auf den Aufschwung in der Musikindustrie und zum anderen auf das Niedrigzinsumfeld zurückzuführen. Im Fall von Springsteen etwa hat Sonys Verlag die US-Holding Eldridge Industries für den Kauf der Autorenrechte ins Boot geholt, die neben Beteiligungen in der Tech-, Medien- und Sportwelt auch die Autorenrechte an der Band The besitzt Mörder. Was die Käufer, egal ob Finanzinvestor oder Klassikunternehmen, eint, ist die Aussicht auf langfristig stabile Einnahmen aus der Rechteverwertung – sei es durch das seit Jahren boomende Streaming oder die Nutzung der Songs in Serien, Werbung oder für öffentliche Aufführungen in Frage.

Pimco ist mit dem Fokus auf den Weltraum in guter Gesellschaft. Neben KKR haben zuletzt zwei weitere Finanzgiganten, Blackstone und Apollo Global Management, große Investitionen in Musikkataloge angekündigt, während der amerikanische Verleger und fleißige Einkäufer Primary Wave unter anderem von Blackrock unterstützt wird. Nachdem 2022 mit dem 250-Millionen-Dollar-Aufkauf der Autorenrechte von David Bowie durch Warner Music begann, steht der nächste große Rechte-Deal noch aus. Dass er kommt, steht außer Frage – und in den Branchenmedien kursieren bereits zwei prominente Namen: Phil Collins und Sting.

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