Dienstag, September 27, 2022
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Jackson Hole Meeting: Endlich klare Worte von den Notenbankern

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DDas geldpolitische Treffen in Jackson Hole war ein willkommenes Zeichen für die Bereitschaft der großen Notenbanken, entschieden gegen die Inflation vorzugehen – auch wenn dieser Kampf leider vorübergehend negative Folgen für Wirtschaft und Beschäftigung haben wird. Es hilft nichts: Die Erfahrung der Vergangenheit lehrt uns, dass eine verspätete Reaktion der Geldpolitik auf eine hohe Währungsabwertung die gesamtwirtschaftlichen Kosten ihrer Bekämpfung nicht senkt, sondern im Gegenteil noch weiter in die Höhe treibt.

Dies gilt auch heute. Alle Versuche, die Inflation unserer Zeit als ein Sonderphänomen zu interpretieren, das bald von selbst verschwindet und daher keiner starken geldpolitischen Antwort bedarf, sind gescheitert.

An den Finanzmärkten machten sich bereits Hoffnungen breit, dass die Inflation in den USA ihren Höhepunkt erreicht habe und die US-Notenbank daher von weiteren deutlichen Zinserhöhungen absehen werde. Diese Hoffnungen wurden am Freitag vom Fed-Vorsitzenden Jerome Powell in einer kurzen, aber prägnanten Rede rücksichtslos zunichte gemacht. Powells Ankündigung einer weiteren straffen Geldpolitik traf auf einen überraschten Aktienmarkt, der mit deutlichen Kursverlusten reagierte.

Noch bemerkenswerter ist ein Beitrag von EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel vom Samstag. Noch konsequenter als die Fed hat die Europäische Zentralbank die Inflation lange Zeit unterschätzt. Schnabels unmissverständliche Äußerungen auf der Konferenz lassen sich als Ausdruck einer wachsenden Überzeugung in der EZB interpretieren, dass die Inflationsbekämpfung im Euroraum endlich schnell und konsequent erfolgen sollte. Schnabel erwähnte ein Szenario, in dem eine Zentralbank, die der Inflation einfach freien Lauf lässt, das Vertrauen der Bevölkerung verlieren könnte. In diesem Fall würde die Inflationsbekämpfung für die Geldpolitik noch schwieriger.

Schnabels Beitrag verdeutlicht die Absurdität der Verharmlosung der Gefahr einer Preis-Lohn-Spirale durch einige Ökonomen mit Verweis auf die jüngsten, noch moderaten Tarifabschlüsse. Für die Geldpolitik zählt jedoch nicht die Vergangenheit, sondern die Erwartungen der Menschen an die Zukunft. Bei einer Inflation von über 8 Prozent und der Aussicht auf weitere exorbitante Energiepreissteigerungen, die im Herbst zu einer zweistelligen Inflation führen könnten, braucht es nicht viel Fantasie, um in einer von Arbeitskräftemangel geprägten Situation einen erheblichen Lohndruck entstehen zu sehen. Dieser Lohndruck würde umso stärker, je mehr das Vertrauen in die Wiederherstellung der Preisniveaustabilität durch die Geldpolitik in Frage gestellt würde. Eine Anhebung der EZB-Leitzinsen um mindestens 0,50 Prozentpunkte im September ist daher dringend erforderlich.

Aus gutem Grund liegt die Verantwortung für die Stabilität des Preisniveaus insgesamt bei der Geldpolitik, die sich gerade in schwierigen Zeiten ihrer immensen Verantwortung bewusst sein muss. Die Möglichkeit eines nachhaltigen Vertrauensverlusts in die Notenbanken erfordert konsequentes Handeln.

Regierungen können Zentralbanken bei der Bekämpfung hoher Inflationsraten nicht ersetzen, aber sie können sie unterstützen. Dazu gehört in Europa, insbesondere in Deutschland, auch in schwierigen Zeiten eine kohärente Energiepolitik. Für Aufmerksamkeit und Verunsicherung sorgt derzeit der extrem starke Anstieg der Großhandelspreise für Gas und Strom für das kommende Jahr. Diese Preise sind Momentaufnahmen und müssen nicht dauerhaft sein, sondern sollten als Aufforderung zum Handeln verstanden werden.

Vor allem aber müssen die Regierungen nicht nur wegen der Geldwertstabilität auf die Tragfähigkeit ihrer Staatsverschuldung achten. Es gibt keinen strengen allgemeinen Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Geldwertstabilität. Sollte die Staatsverschuldung jedoch so hoch werden, dass die Zentralbank ihre Finanzierung langfristig sichern muss, werden begründete Zweifel an der Fähigkeit der Geldpolitik aufkommen, für ein stabiles Preisniveau zu sorgen.

Wie die Fed muss auch die EZB in der Lage sein, ihre riesige Bilanz eher früher als später zu reduzieren, indem sie ihre Anleihebestände reduziert. Auch wenn manche Regierungen das nicht akzeptieren mögen: Schuldenregeln sind kein lästiger Ballast.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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