Donnerstag, Oktober 28, 2021
StartWIRTSCHAFTKein Schiff in Sicht. Leere Regale bei Ikea

Kein Schiff in Sicht. Leere Regale bei Ikea

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Ob online oder im Laden: Ikea-Kunden müssen oft lange auf die gewünschten Produkte warten. Der Möbelriese wird von der weltweiten Versorgungskrise hart getroffen, obwohl das Unternehmen versucht, gegenzusteuern. Doch die überfüllten Containerschiffe brauchen ewig, bis sie ihr Ziel erreichen.

„Es wäre toll, wenn der Billy endlich wieder in 40 cm Tiefe gekauft werden könnte, seit vielen Wochen nicht mehr erhältlich. Warum Ikea?“ Fragt die Kundin Bianca auf der deutschen Ikea-Facebook-Seite. Auf ihre Frage erhielt Bianca vom schwedischen Möbelunternehmen folgende Antwort: „Das vergangene Jahr der Pandemie hat uns alle vor Herausforderungen gestellt, die wir gemeinsam mit Abstand, Rücksichtnahme und gegenseitiger Unterstützung gemeistert haben weltweite Warenversorgung, die auch Ikea betrifft. Mit außergewöhnlichen Maßnahmen werden wir alles daran setzen, die Verfügbarkeit Ihrer Ikea-Lieblingsprodukte zu gewohnt günstigen Preisen zu gewährleisten – online und in unseren Ikea-Möbelhäusern.“

Der Logistikleiter von Ikea Dänemark erklärt, was Ikea unter „außergewöhnlichen Maßnahmen“ versteht. „Wir haben versucht, eine Bahnverbindung von Asien nach Europa zu bauen, damit wir Züge für den Transport nutzen können“, sagte Peter Langskov gegenüber Euronews. „Wir haben auch versucht, Containerschiffe zu leasen und leere Schiffe gekauft. Aber sie müssen zurückgebracht werden, und das ist ein Problem.“

Doch nicht nur die 40er Billys sind bei Ikea Mangelware. Auch der beliebte Stoffhai Blahaj ist nicht lieferbar, wie Kundin Katja auf Facebook feststellt. Sie befürchtet, dass der ausgestopfte Hai komplett aus dem Sortiment verschwindet. Doch das Ikea-Team kann sie beruhigen: „Derzeit ist nicht geplant, den Blahaj aus dem Ikea-Sortiment zu nehmen. Aufgrund der aktuell schwierigen Transportsituation kam es beispielsweise in Großbritannien zu Lieferengpässen für das beliebte Stofftier Blahaj. Sobald sich die Situation verbessert hat, wird das Produkt wieder im regulären Sortiment sein.“

Die „Transportsituation“ – das bedeutet vor allem den Versand von Waren, die von Asien nach Europa transportiert werden. Schon vor Corona steckte ausgerechnet die Schifffahrt jahrelang in einer Krise. So wurden beispielsweise für einen Container von Asien nach Südamerika zeitweise nur 50 bis 200 Dollar bezahlt. Für den Transport eines Containers werden nun Tausende Dollar gefordert. „Solch starke Schwankungen sind schlecht fürs Geschäft. Niemand braucht sie wirklich“, erklärt Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen. Hapag-Lloyd ist die fünftgrößte Containerreederei der Welt und erzielte zuletzt im Konzern ein Halbjahresergebnis von 2,7 Milliarden Euro, während der dänische Weltmarktführer Maersk den Halbjahresgewinn sogar auf gut 5,5 verzehnfachte Milliarden Euro.

Grund für die massiven Gewinnsprünge ist eine deutlich gestiegene Nachfrage während der Corona-Pandemie bei gleichzeitig knappen Transportkapazitäten, die zudem aufgrund pandemiebedingter Restriktionen geringer als üblich ausfallen. Brauche man normalerweise sechs Schiffe für einen Liniendienst von Fernost in die USA, seien es mittlerweile acht bis neun, sagte Habben Jansen: „Die Raten steigen, das ist der Markt.“ Besonders besorgt sind dem Reeder die Verzögerungen beim Be- und Entladen der Containerschiffe an den Terminals: „Wenn man erst acht Tage in Korea warten muss, dann eine Woche in China und dann noch ein paar Tage in Singapur – und dann geht es vor Rotterdam nicht mehr weiter, ja, dann bekommt man das Schiff natürlich nie rechtzeitig zurück.“ Es ist unvermeidlich, dass man den einen oder anderen Hafen auslassen muss oder eine ganze Fahrt überspringen muss.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) kennt das Problem. Die Linienreedereien tun alles, was in ihrer Macht steht, sagte das geschäftsführende Mitglied des VDR-Präsidiums Ralf Nagel. „Aber wenn Häfen verstopft sind und die Container der Kunden viel länger unterwegs sind, sind sie am Ende machtlos.“ Noch vor wenigen Wochen gab es vor Los Angeles einen Mega-Schiffsstau, rund 70 Containerschiffe mussten auf ihre Abfertigung warten.

Reederei-Chef Habben Jansen hofft, dass sich die Lage erst nach den chinesischen Neujahrsfeiern am 1. Februar 2022 wieder beruhigt. Bis dahin müssen sich wohl auch Ikea-Kunden damit abfinden, dass die gewünschten Produkte nicht immer vorrätig sind . Doch die Freude wird umso größer, wenn der ausgestopfte Hai Blahaj seinen Platz in einem 40er Billy findet.

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