Mittwoch, Oktober 27, 2021
StartWIRTSCHAFTKlimaschutzpolitik: Große Konzerne fordern einen klaren Vorsprung

Klimaschutzpolitik: Große Konzerne fordern einen klaren Vorsprung

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Sie wollen, dass sich deutsche Politiker stärker für die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens engagieren: Mehrere deutsche Großkonzerne fordern eine „Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität“.

Zu Beginn der intensiven Sondierungsgespräche für eine Ampelkoalition reichten 69 deutsche Großkonzerne einen Appell an die mögliche neue Regierung ein. Darin fordern Unternehmen wie die Otto Group, Aida und die Deutsche Telekom einen „klaren, verlässlichen und planbaren Weg zur Klimaneutralität“. In den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit soll die neue Regierung eine „Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität“ starten.

Die beteiligten Unternehmen sind für den Wirtschaftsstandort Deutschland von enormer Bedeutung: Zusammen beschäftigen sie hierzulande mehr als eine Million Menschen und weltweit über fünf Millionen Menschen. Sie erwirtschaften nach eigenen Angaben einen weltweiten Umsatz von rund einer Billion Euro. Sie kommen aus allen relevanten Branchen und Schlüsselbranchen der Wirtschaft, darunter die Grundstoff- und chemische Industrie, der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Finanzbranche sowie Großunternehmen aus den Bereichen Bau, Mobilität und Handel. Nun fordern sie einen klaren politischen Fahrplan, wie der Klimaschutz in den kommenden Jahrzehnten gestaltet und gefördert wird.

„Klare Perspektiven statt trübe Visionen – und jetzt! Eine große Sanierung braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Zum Beispiel für ausreichend erneuerbare Energie zu wettbewerbsfähigen Kosten“, fordert Mitunterzeichner Kristian Evers, Partner der Papier- und Kartonfabrik Varel. Viele Unternehmen haben die Dringlichkeit der Situation längst erkannt. Dennoch bedarf es eines politischen Rahmens, damit „bis 2045 Deutschlands Transformation zum klimaneutralen Industrieland erreicht werden kann und das Ziel, die Emissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, erreicht wird“, heißt es in dem Schreiben, das von veröffentlicht wurde die „Stiftung 2 Degree“ wurde ins Leben gerufen.

Dazu haben die beteiligten Unternehmen sechs zentrale Forderungen an die Politik formuliert. Aufgabe einer neuen Regierung ist es, die Wettbewerbsfähigkeit von Klimaschutztechnologien zu stärken und „eine klimafreundliche Reform des Steuer-, Abgaben- und Abgabensystems“ einzuleiten. Dazu gehört auch, mehr Anreize für Investitionen in neue Technologien zu schaffen. Dabei ist es unabdingbar, die langwierigen „Planungs- und Genehmigungsverfahren“ zu überarbeiten.

Zudem erwarten die Unterzeichner einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien und eine gesteigerte Energieeffizienz: „Bis 2030 müssen mindestens 70 Prozent des steigenden deutschen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden.“ Dazu müssen die Kapazitäten der Wind- und Solarenergie deutlich ausgebaut, die notwendigen Stromnetze und klimafreundliche Industrieanlagen ausgebaut werden. Deshalb fordern die Unternehmer den Ausstieg aus der Kohleverstromung „deutlich vor 2038“.

Da der deutsche Staat mit einem Investitionsvolumen von „500 Mrd klimaneutrale Zukunftstechnologien.“ Die neue Regierung müsse dafür sorgen, dass „Investitionen, Projekte und Vergabekriterien systematisch auf Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit ausgerichtet werden“.

Vor allem die internationale Zusammenarbeit in Sachen Klimaschutz sei unabdingbar, betont Raoul Roßmann, Geschäftsführer der Dirk Rossmann GmbH: „Rossmann kann nur klimaneutral werden, wenn unsere Lieferanten nachziehen. Aber das wird nur möglich sein, wenn die nationale und internationale Energie“ Mix als solcher wurde radikal dekarbonisiert.“

Die Großkonzerne erwarten daher, dass Deutschland in Sachen Klimaschutz international ein Vorbild wird: Die neue Regierung ist verpflichtet, die Klimakonferenz in Glasgow im November und die G7-Präsidentschaft im kommenden Jahr zu nutzen, um „die transatlantische Zusammenarbeit zu stärken und die Grundlagen für ein Klimapionierclub zur Entwicklung internationaler Standards für ein Paris-kompatibles Finanzsystem und klimaneutrale Produkte“. „‚Klimaneutral machen‘ soll das Motto der neuen Legislaturperiode werden. Die neue Bundesregierung muss klimapolitisch mutig und entschlossen handeln und kann sich auf die Unterstützung dieses breiten Unternehmensbündnisses verlassen“, sagt Sabine Nallinger, Geschäftsführerin des 2 Grad Stiftung.

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