Sonntag, Oktober 17, 2021
StartWIRTSCHAFTKonjunkturprognose der Helaba: Wachstum über dem Bundesdurchschnitt - Dax bei 14.500

Konjunkturprognose der Helaba: Wachstum über dem Bundesdurchschnitt – Dax bei 14.500

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Die hessische Wirtschaft litt im vergangenen Jahr stärker unter der Corona-Pandemie als die anderer Bundesländer. Nach vorläufigen Zahlen ging das Bruttoinlandsprodukt um 5,6 Prozent zurück, während es in Deutschland insgesamt nur um 4,9 Prozent zurückging. In diesem Jahr scheint Hessen wieder aufzuholen – das Statistische Landesamt hat Ende September Zahlen veröffentlicht, wonach die Wirtschaftsleistung in Hessen im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent gewachsen ist und in Deutschland nur geringfügig besser um 2,9 Prozent .

Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, findet es etwas mager und macht wenig Hoffnung, dass es im zweiten Halbjahr besser laufen könnte. Vielmehr hat die Dynamik nachgelassen.

Traud erwartet in diesem Jahr sowohl für Deutschland als auch für Hessen ein Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent. Doch einen Trost hält Traud bereit: Wenn Hessen in diesem Jahr noch nicht aus dem besonders tiefen Tal herausgekommen ist, wird es dies sicherlich im nächsten tun. Für 2022 erwarten sie und ihre für Regionalanalysen zuständige Kollegin Barbara Bahadori für die Bundesrepublik Deutschland ein Wachstum von 4,1 Prozent, das Bruttoinlandsprodukt in Hessen wird aber um 4,4 Prozent steigen. Das sind Zahlen, die sich ihrer Meinung nach auch positiv auf den Arbeitsmarkt in diesem Bundesland auswirken dürften.

Dass Hessen tiefer in die Krise gerutscht ist und sich wieder schwer tut, diese wieder aufzuholen, liegt laut Traud am Frankfurter Flughafen und der Messe in der Mainmetropole. Der weitgehende Stillstand in beiden Sektoren hatte auch die Hotellerie und Gastronomie in besonderer Weise getroffen und die Erholung verlief nicht so schnell wie erhofft.

Der Chefvolkswirt blickt aus einem anderen Grund auf den Flughafen und die Messe. Sie stehen für die besonders enge Verzahnung des Landes mit der Weltwirtschaft, die sich auch in einem überdurchschnittlichen Exportanteil der Industrie von 55 Prozent widerspiegelt.

Was jahrzehntelang den Wohlstand des Landes garantierte, könnte nach Ansicht von Traud in den nächsten Jahren ein Nachteil für Hessen sein. Die aktuellen Lieferschwierigkeiten in der Welt sieht sie nur als weiteres Zeichen einer generellen Entflechtung der Wirtschaftsräume. China will sich wieder mehr auf sich selbst konzentrieren, Handelsbarrieren bleiben unter dem neuen Präsidenten in den USA bestehen.

Die Schwierigkeiten in der Pandemie führten auch zu einer Neubewertung der internationalen Arbeitsteilung. Auch das deutsche Lieferkettengesetz wird zu mehr heimischer Produktion beitragen. Trauds ernüchterndes Fazit: „Effizienz spielt keine Rolle mehr.“

Sie ist skeptisch gegenüber den Folgen. Die Entflechtung der Weltwirtschaft treibt schon jetzt die Kosten in die Höhe – derzeit zeigen dies die Folgen des Brexits in Großbritannien im kleinen Maßstab – der Fachkräftemangel als Folge des demografischen Wandels lässt die Lohnkosten in Deutschland erneut steigen spezieller Weg.

Ein Mangel an Arbeitskräften und Material hätte auch ganz andere Folgen – es könnte beispielsweise sein, dass ambitionierte Programme zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum daran scheitern. „Es baut einfach keinen Roboter.“ Die keynesianische Denkweise, dass jedes Problem mit mehr Geld und mehr Nachfrage gelöst werden kann, stößt an Grenzen. Die Inflation werde nicht wieder weggehen und tendenziell steigen, fasste Traud die Situation zusammen. „Es gibt viele Indikatoren für einen Wendepunkt.“

An den Aktienmärkten erwartet Traud keinen Aufwärtstrend. Anfang dieses Jahres hatte sie prognostiziert, dass der Dax bis Jahresende bei 14.000 Punkten stehen würde, inzwischen hat sie die Prognose auf 14.500 angehoben. Aktuell liegt der Index bei 15.200. Trauds Vorhersagen waren in den letzten Jahren oft richtig gewesen.

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