Donnerstag, Januar 20, 2022
StartWIRTSCHAFTKredite werden nicht bedient. Werftkonkurs bringt Genting-Gruppe in Bedrängnis

Kredite werden nicht bedient. Werftkonkurs bringt Genting-Gruppe in Bedrängnis

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Mit der Insolvenz der MV Werften versiegen für die Genting-Gruppe mehrere Geldquellen. Ein Kreditversicherer kündigt sein Engagement. Infolgedessen drehen Banken den Wasserhahn zu. Der Konzern kann seine Gläubiger nicht mehr begleichen. Vor Gericht kämpft er nun um einen Staatskredit.

Die Insolvenz des Schiffbaukonzerns MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern bringt auch deren asiatischen Eigner Genting Hong Kong ins Trudeln. Das Kreuzfahrtunternehmen gab bekannt, Kredite in Höhe von knapp 2,8 Milliarden Dollar infolge der Insolvenz in Deutschland nicht mehr bedienen zu können. Genting Hong Kong macht seine Kreditgeber, vor allem aber den Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern für den Engpass verantwortlich. Sie haben dem Unternehmen insgesamt 336 Millionen US-Dollar einbehalten, die ihm laut Unternehmen eigentlich zustehen sollten. Angesichts der düsteren Aussichten für die Kreuzfahrtbranche hat der Kreditversicherer Euler Hermes die Exportkreditversicherung gekündigt, die für den Bau des Kreuzfahrtschiffes „Global 1“ auf der Werft in Wismar unabdingbar war.

Infolgedessen werden die Genting-Aktien bis auf Weiteres nicht an der Hong Kong Stock Exchange gehandelt. „Der Handel der Aktien bleibt bis zur Veröffentlichung weiterer interner Informationen ausgesetzt“, hieß es. Hierzu zählen insbesondere die Ergebnisse von Verfahren vor dem Landgericht Schwerin.

Genting verklagt in dem Verfahren das Land Mecklenburg-Vorpommern auf Auszahlung eines Darlehens in Höhe von 88 Millionen US-Dollar (78 Millionen Euro). Schwerin gewährte das Darlehen im Juni 2021, um eine mögliche spätere Liquiditätslücke bei Genting zu schließen. Bei einem mehrstündigen Termin am Dienstag tauschten sich Land und Unternehmen aus. Am kommenden Montag will das Gericht seine Entscheidung bekannt geben.

Im Prozess warf der Staatsanwalt Genting der Landesregierung vor, versprochene Gelder nicht ausgezahlt zu haben. Bei den Verhandlungen über die weitere Finanzierung sei ein „Konstrukt vorgestellt worden, das die politische Motivation verschleiern sollte“, sagte er. Dementsprechend knüpft das Land die Zahlung an Bedingungen, die nicht im Vertrag enthalten sind. Dazu gehören die Forderung an die Eigentümer, ihren Eigenbeitrag auf 60 Millionen Euro zu verdoppeln, sowie Hilfen des Bundes.

Ein Anwalt aus Mecklenburg-Vorpommern wies den Vorwurf zurück. Allein das Haushaltsrecht schreibt vor, die Auszahlung kritisch zu hinterfragen. Darüber hinaus wurde der Vertrag über einen möglichen Liquiditätsantrag in Höhe von 148 Millionen Euro abgeschlossen. Inzwischen besteht jedoch eine Finanzierungslücke von rund 600 Millionen Euro. Die Genting-Seite wies darauf hin, dass dieser Vertrag mit Genting, nicht aber mit der inzwischen insolventen MV Werften geschlossen worden sei. Genting Hong Kong ist nicht überschuldet.

MV Werften hat am Montag Insolvenz angemeldet, nachdem Bund und Länder sowie Genting keine Lösung über eine weitere Finanzierung gefunden hatten. Der Bund war nach eigenen Angaben bereit, 600 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, damit das Schiff fertiggestellt werden konnte. Im Gegenzug forderte der Corona-Rettungsfonds WSF 60 Millionen Euro frisches Eigenkapital vom Eigentümer. Daran scheiterten die Verhandlungen letztlich.

Hinter dem verzweigten Konzern, der hauptsächlich in der Tourismusbranche tätig ist, steht der malaysische Milliardär Lim Kok Thay, der Eigentümer des Tourismuskonzerns Genting Bhd. Genting Hong Kong hatte im Hinblick auf das Geschäft bereits im Sommer 2020 eine Restrukturierung durchlaufen das war während der Corona-Krise fast untätig.

Angesichts des Rückzugs von Euler Hermes weigerten sich die Banken, eine versprochene Meilensteinzahlung in Höhe von 108 Millionen Euro für den Bau von „Global 1“ und die Freigabe von 81 Millionen Dollar von Genting zu leisten, teilte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung zum Hong Konger Börse. Dies habe zu einer „unmittelbaren und erheblichen Liquiditätslücke“ geführt. Genting räumte ein, dass das Unternehmen „noch keinen Zugang zu bedeutenden neuen Liquiditätsquellen hat“. Aktuell spricht der Vorstand mit den Banken, dem Miteigentümer der Tochter Dream Cruises und Beratern über einen Ausweg aus der Krise.

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