Mittwoch, Januar 19, 2022
StartWIRTSCHAFTKrise bei MV Werften: Werftbesitzer im Zwielicht

Krise bei MV Werften: Werftbesitzer im Zwielicht

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Der ist der Berg der Träume, oft in Wolken gehüllt. Spielplätze, Seilbahnen, bunte Wasserrutschen, Imbissbuden und teure Restaurants, Hoteltürme – und ganz unten im Tal die echte Welt: Malaysias Moloch, die Hauptstadt Kuala Lumpur. Diese Realität hier oben am Berg vergisst man nicht. Wie auf einer privaten Yacht. Oder an einem der Blackjack-Tische im Casino auf Singapurs Freizeitinsel Sentosa. Oder im Resorts World Las Vegas.

Lim Kok Thay hat viele Orte auf der Welt, an denen er Abwechslung finden kann. Denn im Laufe der Jahre hat der 11. reichste Malaysier mit einem geschätzten Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar ein globales Bollwerk der Unterhaltung aufgebaut, in dem die Menschen ein wenig abschalten können, um die Härten des Lebens vorübergehend zu verbergen. Das können die Werftarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Denn ihre Jobs brennen jetzt. Die Hongkonger Tochter der Lims Genting Group kommt ihren Verpflichtungen nicht nach, die Werften dort beben.

Im großen Casino der Gentings Resorts World Sentosa in Singapur herrscht am Mittwochnachmittag Ebbe: Die Wachen an den Eingangsschranken warten auf Spieler. Ein paar Festlandchinesen kommen in bunten Seidenanzügen. Auch wenn die Bank immer gewinnt, auch wenn Besucher hier rechtzeitig vor dem chinesischen Neujahrsfest mit dem Banner „Mach einen großen Sprung ins Mondneujahr“ auf festlich rotem Grund begrüßt – Genting verdient hier sicher kein Geld heute.

Aber es braucht einen großen Sprung und viel Geld, um die Werftkrise im 14 Flugstunden entfernten Norddeutschland abzuwenden. Das Potenzial innerhalb des börsennotierten Konzerns scheint nahezu unbegrenzt: Wie es sich für einen asiatischen Clan gehört, sichert die Familie Lim ihren Wohlstand auch über eine ganze Reihe von Unternehmen hinweg. Dazu gehören neben dem Kern, der Unterhaltungsindustrie, Immobilien, Plantagen, Biomedizin und Kraftwerke.

Genting ist auf allen Ebenen mit den Schiffen verbunden: Ausgerechnet Lims Gruppe kaufte Equanimity, als sie endlich auf dem Markt war: Die 91-Meter-Yacht gehörte dem untergetauchten Betrüger Low Taek Jho, der mit Goldman Sachs Malaysian einig war Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad geplündert. Lim kaufte es für 126 Millionen Dollar.

Wenn Gleichmut auch der Trumpf des alten malaysischen Geldes gegenüber den neureichen Goldmännern ist, ist das Unternehmen durch seine Kreuzfahrtschiffe bekannt. Die Reederei mit Sitz in Hongkong ist weltweit die Nummer drei – nach Carnival Cruises und Royal Caribbean Cruises. Es sei nicht auszuschließen, dass auch das Kreuzfahrtgeschäft in den Strudel gerät, wenn die Werften in Deutschland, die es flankieren sollen, ins Trudeln geraten. Das ist bitter für deutsche Schiffbauer. Aber auch für Lim – denn Niederlagen passen nicht in das Konzept der Dynastie.

Der vor 15 Jahren verstorbene Vater Lim Goh Tong gründete 1965 sein „Traumresort“ auf dem Berg – ein visionärer Schritt im Jahr des Zusammenbruchs der geplanten Staatenunion zwischen den ehemaligen britischen Kolonien Singapur und Malaysia. Wie so viele chinesische Milliardäre in Südostasien war der alte Lim in jungen Jahren vom chinesischen Festland ausgewandert. Dort hatte er an einem Straßenstand Pflanzensamen verkauft. In Malaysia handelte er mit Werkzeugen, dann mit Maschinen und begann dann mit dem Bauen. Er hat es bereits zum reichsten Malaysier geschafft.

2003 übergab er die Gruppe in die Hände seines damals 53-jährigen Sohnes Kok Thay. Der Nachfahre war qualifiziert: In London ließ er sich auf den Spuren seines Vaters zum Bauingenieur ausbilden, später absolvierte er ein Management-Studium an der Harvard Business School in Boston, wo viele asiatische Großerben ihren letzten Schliff geben. Der jüngere seiner Söhne, Loui Lim, gibt einen Einblick in das Familienleben in Malaysia: „Jeden Abend saßen bis zu drei oder vier Familien zum Essen am Tisch. Ich habe das Gefühl, dass chinesische Migrantenfamilien viel traditioneller und enger miteinander verbunden sind; Wir pflegen noch viele Traditionen unserer Vorfahren aus China, die eigentlich nicht mehr beliebt sind. „

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