Montag, November 29, 2021
StartWIRTSCHAFTLieferengpässe belasten: Deutsche Wirtschaft wächst etwas schwächer als erwartet

Lieferengpässe belasten: Deutsche Wirtschaft wächst etwas schwächer als erwartet

- Anzeige -


Die deutsche Wirtschaft geht in einen schwierigen Herbst und Winter mit etwas schwächerem Wachstum als angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. In einer ersten Schätzung ging die Wiesbadener Behörde von einem Plus von 1,8 Prozent aus. Im Vergleich zum vierten Quartal 2019, also dem Niveau vor der Corona-Krise, lag die Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent niedriger.

Beflügelt wurde die größte Volkswirtschaft Europas vom privaten Konsum, der mit 6,2 Prozent kräftig zulegte. Der Export von Waren und Dienstleistungen hingegen schrumpfte im Vergleich zum Vorquartal um 1,0 Prozent. Die Unternehmensinvestitionen in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge gingen um 3,7 Prozent zurück, während die Bauinvestitionen um 2,3 Prozent zurückgingen.

Die Branche leidet unter Lieferengpässen, Rohstoffe und Vorprodukte wie Halbleiter sind knapp und teuer. Manche Firmen müssen die Produktion drosseln, Bestellungen können nicht mehr so ​​schnell bearbeitet werden. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich daher im November weiter eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist den fünften Monat in Folge gefallen. „Lieferengpässe und die vierte Corona-Welle bereiten Unternehmen Probleme“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Ökonomen erwarten in den kommenden Monaten eine deutliche Abkühlung der Konjunktur, auch aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Infektionssituation, die den privaten Konsum als wichtiges Standbein der Wirtschaft dämpfen dürfte. Es ist zu befürchten, dass Verbraucher aus Angst vor einer Ansteckung auf den Besuch von Restaurants oder Veranstaltungen verzichten. Zudem haben zahlreiche Bundesländer damit begonnen, strengere Corona-Beschränkungen einzuführen.

Tatsächlich treffen bereits die vierte Corona-Welle und eine Inflation von mehr als 4 Prozent der deutschen Verbraucher die Stimmung. Das von der Nürnberger GfK ermittelte Konsumklima ist im Dezember deutlich um 2,6 auf minus 1,6 Punkte gefallen, wie das Marktforschungsunternehmen am Donnerstag mitteilte. Die Sparneigung nimmt wieder zu, die Kaufneigung sinkt.

Im vergangenen Monat hatte das Konsumklima den höchsten Stand seit April 2020 erreicht, als die Konsumstimmung nach dem Schock des ersten Lockdowns in der Corona-Pandemie wieder gestiegen war. Jetzt habe die vierte Welle steigender Preise die Kaufkraft „weggeschmolzen“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Das dämpft die Aussichten für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft.

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank dürfte die wirtschaftliche Erholung „vorerst eine Verschnaufpause einlegen“. Das Bruttoinlandsprodukt könnte im vierten Quartal stillstehen, schrieb die Notenbank in ihrem aktuellen Monatsbericht.

Schon bevor sich die Corona-Situation zuspitzte, hatten Ökonomen wegen der Lieferengpässe ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr gesenkt. So rechnen die „Wirtschaftsweisen“ in diesem Jahr nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,7 Prozent – ​​im März wurde noch mit einem Plus von 3,1 Prozent gerechnet. Für 2022 ist das Beratungsgremium der Bundesregierung jedoch zuversichtlicher und rechnet mit einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare