Freitag, Juni 24, 2022
StartWIRTSCHAFTLufthansa streicht Flüge: Droht für die Sommerreisesaison ein Flugchaos?

Lufthansa streicht Flüge: Droht für die Sommerreisesaison ein Flugchaos?

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Rund 900 auf einen Schlag – so viele Flüge streicht die Deutsche Lufthansa aus ihrem Plan für den Monat Juli. Auf den Strecken der Tochter Eurowings soll es zu einer dreistelligen Zahl an Ausfällen kommen. Damit wehrt sich der Konzern gegen ein befürchtetes Flugchaos im Sommer, von dem Passagiere bereits in den vergangenen Wochen mit langen Warteschlangen und Verspätungen einen Vorgeschmack bekommen haben.

Weniger Flüge sollen nun das gesamte Luftfahrtsystem entlasten. Nach dem Stellenabbau während der Corona-Krise fehlt es überall an Personal für den ersten großen Reisesommer seit Beginn der Pandemie – in der Flughafenlogistik, an Schaltern, Sicherheitskontrollen und auf den Vorfeldern der Terminals.

Mit den Annullierungen der Lufthansa stehen nun auch Fluggesellschaften im Fokus, die zuvor aufgrund von Engpässen und Verspätungen auf Personalengpässe bei Leistungsträgern am Boden hingewiesen hatten. Die deutschen Flughäfen hatten eingeräumt, dass im eigenen Betrieb und im Betrieb externer Dienstleister derzeit jede fünfte Stelle unbesetzt sei.

Die Lufthansa weist dagegen zurück, dass die Airline zu wenig Personal hat. „Wir haben keine Engpässe, die dazu führen, dass wir Flüge nicht bewältigen können“, sagt eine Sprecherin. Damit wäre zumindest für jede Verbindung Personal gefunden worden – selbst wenn Piloten zu einer Extraschicht überredet werden müssten. Auf der Arbeitnehmerseite wird ein dramatischeres Bild gezeichnet. „Wir wissen, dass auch Flüge mangels Piloten gestrichen werden“, teilte die Gewerkschaft Cockpit (VC) mit. Die Engpässe beim fliegenden Personal sind geringer als beim Bodenpersonal, aber durchaus vorhanden.

Die Personaldecke ist branchenweit dünn. Bereits vor Wochen warnte der VC vor den Folgen einer „verfehlten Personalpolitik“ für den Sommer. „Dass der radikale Stellenabbau in vielen Bereichen der Luftfahrt den Aufschwung negativ beeinflussen würde, war schon lange klar“, klagte VC-Präsident Stefan Herth. Die Chefetage des Ferienfliegers Condor hat derweil ein gemeinsames Schreiben aller am Unternehmen beteiligten Gewerkschaften – der Flugbegleiterorganisation UFO, Verdi und VC – erhalten. „Der Sommer wird hart, das sieht man schon an den Absagen wegen Personalmangels und der Masse an Flugstunden, die sich häufen. Viele von uns sind schon am individuellen Limit“, heißt es. Das sorgt für Frust und Wut, Mitarbeiter sind bereits in Tränen ausgebrochen.

UFO hat warnende Worte für die Lufthansa. „Wir wollen vernünftig und nicht bis in die letzte Rille planen“, erklärt die Gewerkschaft auf ihrer Website: „Wenn Lastspitzen nicht vermieden werden können, dann müssen sie zumindest bezahlt werden.“ Während der Pandemie hätten die Mitarbeiter auf ihre Leistungen verzichtet. Das Ganze steht unter der Überschrift: „Unbeautiful Summer“.

Die Lufthansa-Annullierungen konzentrieren sich auf die Wochentage Freitag bis Sonntag, 5 Prozent der Wochenendkapazitäten werden im Verkehr von und zu den Drehkreuzen Frankfurt und München gestrichen, erklärt die Sprecherin. Vor allem Kurzreisen werden gestrichen, für die Reisende auf den Zug umgebucht werden können. Aufgrund des 9-Euro-Tickets sollte es zu keinen Komplikationen kommen, da Fahrgäste Fernzüge nutzen dürfen.

Eine Einstellung der Ferienflüge ins Mittelmeer, die insbesondere Eurowings im Plan hat, würde für größeren Unmut sorgen. Obendrein gäbe es wohl Ärger mit Reiseunternehmen, die Großkontingente mit Zehntausenden Plätzen für Pauschalreisekunden gebucht haben. Hinter den Kulissen ist man sich aber bereits einig, dass das jetzt bekannt gewordene noch nicht alle Kürzungen des Sommers enthält. Es könnte noch Flugausfälle und die nächste Streichliste für den Monat August geben.

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