Donnerstag, Januar 20, 2022
StartWIRTSCHAFTMacron legt nach: So bremst Frankreich den Anstieg der Strompreise

Macron legt nach: So bremst Frankreich den Anstieg der Strompreise

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DDie steigenden Energiepreise enden nie. In Frankreich, wo in knapp drei Monaten Wahlen stattfinden, ist die Regierung von Emmanuel Macron sehr besorgt. Nach aktuellen Umfragen bleibt die Kaufkraft das wichtigste Thema für die Bürgerinnen und Bürger im Land – noch vor der sozialen Sicherheit, der inneren Sicherheit und der Einwanderung.

Damit ihre Stromkosten nicht in die Höhe schießen, verstärkt die Regierung nun ihre Bemühungen. Der staatliche Energiekonzern EDF soll angewiesen werden, noch größere Mengen Atomstrom zu einem staatlich regulierten Preis an Wettbewerber zu verkaufen. In Übereinstimmung mit der EU-Kommission sollen es in diesem Jahr nun 120 statt 100 Terawattstunden sein. Der regulierte Preis liegt mit rund 46 Euro pro Megawattstunde deutlich unter den im Großhandel üblich gewordenen 100 Euro und mehr.

Die Maßnahme werde voraussichtlich rund 8 Milliarden Euro kosten, sagte Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire in einem Interview mit der Zeitung „Le Parisien“. So ähnlich wie die bereits angekündigte Senkung der Stromsteuer zum 1. Februar. Ursprünglich sollte allein letzteres die Stromkosten für die Verbraucher deckeln. Aber das reicht nicht mehr. Ohne beide Maßnahmen hätte die Steigerung in diesem Jahr rund 35 statt 4 Prozent betragen, rechnet Le Maire vor.

„Diese zusätzlichen und massiven Maßnahmen spiegeln das uneingeschränkte Bemühen der Regierung zugunsten der Kaufkraft der privaten Haushalte und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wider“, zitierte das Finanzministerium seinen Minister. Möglich wird dies durch die Wettbewerbsfähigkeit des französischen Kernkraftwerksparks. Es liefert kostengünstige Energie und ist völlig CO2-frei.

Die Regierung hat die Erhöhung der Gastarife bereits gedeckelt. Außerdem erhielten im Dezember 5,8 Millionen Haushalte einen „Energiescheck“ im Wert von durchschnittlich 150 Euro, aktuell läuft die Zahlung des „Inflationsausgleichs“ in Höhe von 100 Euro. 38 Millionen Franzosen sind berechtigt. Das sind alle, die weniger als 2000 Euro netto im Monat verdienen.

Neben den Preissprüngen auf dem Weltmarkt gilt der Stillstand mehrerer französischer Atomreaktoren als preistreibend. Nach Angaben des Netzbetreibers RTE stehen in diesem Januar nur noch 43 bis 51 Gigawatt der bundesweit installierten Kraftwerksleistung von 61 Gigawatt zur Verfügung. Ein Grund sind zum Teil pandemiebedingt verzögerte Wartungsarbeiten. Auch in den vier neuesten und leistungsstärksten Reaktoren in Chooz und Civaux gibt es unerwartete technische Probleme. Sie sind derzeit alle ausgeschaltet.

Diese Woche gab es Hiobsbotschaften vom Kraftwerksbetreiber EDF: Am Mittwoch kündigte er an, dass der neue Reaktor in Flamanville länger brauche und teurer werde. Am Donnerstag gab EDF bekannt, dass auch ein Reaktor des Kernkraftwerks Penly in der Normandie von Korrosion an einem Sicherheitssystem betroffen war. Derzeit steht es im Rahmen einer zehnjährigen Inspektion still. Zudem senkte der Konzern am Donnerstag seine Produktionsprognose von 330 auf 360 auf 300 bis 330 Terawattstunden in diesem Jahr, also um rund 10 Prozent.

Der Netzbetreiber RTE versichert, dass in Frankreich derzeit keine Gefahr eines Stromausfalls bestehe. Allerdings schaltete er am Donnerstag seine Warnampel für den Osten des Landes von Grün auf Gelb. Die Verbraucher in diesen Regionen sind aufgefordert, ihren Stromverbrauch zu reduzieren: in der Region Hauts-de-France beispielsweise zwischen 6 und 18 Uhr, in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur zwischen 18 und 24 Uhr. Die anderen Stufen der Warnleuchte sind orange und rot.

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