Montag, Oktober 18, 2021
StartWIRTSCHAFTMit Blue Origin: Captain Kirk fliegt ins All

Mit Blue Origin: Captain Kirk fliegt ins All

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Jeff Bezos‘ Firma Blue Origin schickt William Shatner ins All. Weltberühmt wurde er als Captain Kirk in „Star Trek“. Der 90-jährige Kanadier wird der älteste Mensch sein, der jemals ins All geflogen ist.

Es gibt Filmrollen, mit denen Schauspieler ein Leben lang identifiziert werden. Das ist bei William Shatner der Fall. Der Ökonom ist mittlerweile 90 Jahre alt und hat sich auch als Produzent, Regisseur, Autor und Sänger einen Namen gemacht. Aber für die Öffentlichkeit ist er vor allem eines: „Captain James T. Kirk“. Nun fliegt William Shatner tatsächlich ins All – die Realität holt die Fiktion ein.

Mit der Verpflichtung des prominenten Passagiers ist Jeff Bezos, Chef des Raumfahrtunternehmens Blue Origin, ein gewaltiger PR-Coup gelungen. Dieser zweite bemannte Raumflug von Blue Origin würde mit Sicherheit Schlagzeilen machen, als die Nachricht letzte Woche bekannt wurde. Seit Monaten liefern sich die extrovertierten Unternehmer Jeff Bezos, Richard Branson und Elon Musk ein prestigeträchtiges Duell ums Geschäft mit Weltraumtouristen und überbieten sich bei der Auswahl illustrer Passagiere.

„Ich werde ein Raketenmann“, twitterte Shatner, nachdem letzte Woche die PR-Bombe geplatzt war. Seitdem fragen sich viele, wie ein 90-Jähriger den Flug ins All mit einer Rakete überstehen soll. Ex-Astronaut Ulrich Walter ist gelassen: „Wenn man sich die Astronauten anschaut, die die Europäische Weltraumorganisation auswählt, gibt es keinen einzigen Leistungssportler, die werden vorher aussortiert. Große Muskeln müssen trainiert werden und das braucht man in der Schwerelosigkeit nicht.“ Daher bekommen Leistungssportler im Weltraum in der Regel Herzrhythmusstörungen.“

Walter unterscheidet auch zwischen echten Astronauten und sogenannten „Raumfahrern“, also Raumfahrern, die während eines suborbitalen Fluges für einige Minuten Schwerelosigkeit erleben. „William Shatners suborbitaler Flug ist eigentlich nur ein Weltraumsprung. Natürlich muss er bei Start und Landung die dreifache Erdbeschleunigung aushalten, aber das ist nicht viel. Ein normaler Zyklus kann das aushalten auch vorher in einer Zentrifuge getestet.“

Anstatt sein Film-Raumschiff „USS Enterprise“ einzusetzen, wird Shatner mit einer „New Shepard“-Rakete von Texas abheben. An Bord der Mission sind vier Passagiere, darunter der Vizepräsident von Blue Origin. Beim bemannten Erstflug von Blue Origin im Juli war Bezos selbst an Bord der Raumkapsel, zusammen mit seinem Bruder, einem 18-jährigen Niederländer und einem 82-jährigen ehemaligen US-Piloten, der in den USA sehr beliebt ist.

Mit Shatners aktuellem Weltraumflug wird Blue Origin einen neuen Altersrekord im Weltraum aufstellen. Die „unendlichen Weiten“ des Weltraums, von denen bei „Star Trek“ immer die Rede ist, wird Shatner jedoch nicht kennenlernen: Der Ausflug in die Schwerelosigkeit dauert wenige Minuten, die Crew überquert kurz die sogenannte Kármán-Linie. Dies ist eine international definierte Grenze in 100 Kilometer Höhe, die die Luft- und Raumfahrtindustrie trennt.

Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter hat eine ganz klare Meinung, wie sinnvoll solche Missionen sind: „Das ist wichtig, weil es zeigt, dass die Raumfahrt normaler ist, als man denkt. Mein Wunsch ist, dass möglichst viele Menschen ins All kommen. es gibt immer noch einen großen Unterschied zu einem professionellen Astronauten: Er muss zum Beispiel Experimente auf der ISS machen, die Raumstation warten und den Funkverkehr beherrschen.“ haben den Planeten von außerhalb des Weltraums gesehen.

Neben den suborbitalen Flügen sollen in den nächsten Monaten auch mehrere Raumkapseln mit Touristen auf der ISS ankommen. Letzte Woche brachte ein russisches Filmteam eine Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation, um einen Spielfilm zu drehen.

Auch der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer, der Ende Oktober mit SpaceX zur ISS fliegt, wird von Weltraumtouristen besucht. Bei seiner letzten Pressekonferenz in Deutschland im September zeigte er sich ebenso positiv wie Walter: „Natürlich ist es gut, wenn man mehr Menschen im Weltraum trifft. Die Leute haben den gleichen Traum wie ich. Sie wollen den Weltraum von außen sehen.“ Gleichzeitig warnte er aber auch davor, den Weltraum durch Kommerzialisierung weiter zu verschmutzen.

Wie werden Bezos‘ Konkurrenten Branson und Musk auf den Putsch von Captain Kirk reagieren? Bereits 2012 hatte Musk die Asche des verstorbenen Schauspielers James Doohan mit einer Falcon-9-Rakete ins All getragen. Doohan spielte in „Star Trek“ neben Shatner die Kultfigur „Scotty“ – den Chefingenieur im Maschinenraum, der strahlen konnte. Ohne zu prophetisch zu sein: In den nächsten Jahren werden wahrscheinlich mehr VIPs in schlagzeilenträchtigen Missionen ins All fliegen. Dies ist erst der Anfang.

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