Donnerstag, Januar 20, 2022
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Mit Robotik und Nachhaltigkeit "Hergestellt in Deutschland" steht vor einem Comeback

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Unternehmen beleben den Wirtschaftsstandort Deutschland. Nachdem im vergangenen Jahrzehnt die Produktion sukzessive nach Asien ausgelagert wurde, erlebt nun auch die totgesagte Textilindustrie eine überraschende Renaissance.

Teure Lieferkosten, unvorhersehbare Unterbrechungen auf der langen Reise von Shanghai nach Hamburg, Engpässe in der Lieferkette oder steigende CO₂-Preise: Die Liste der Nachteile für Unternehmen, die im Osten produzieren und im Westen verkaufen, wird immer länger. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie brüchig Lieferketten durch die Globalisierung geworden sind. Und welche Folgen das für Unternehmen haben kann. Trotzdem trauen sich nicht viele Unternehmen, die Produktion zurück nach Deutschland zu holen. Denn die Produktion ist hierzulande teurer als in China oder Bangladesch.

Doch ein Modeunternehmen traut sich jetzt. C&A eröffnet eine Jeansfabrik in Mönchengladbach. Seit Dezember 2020 baut das Unternehmen die Produktionsstätte. Das war früher geplant, aber die Pandemie hat den Start verschoben. Seit September 2021 ist die Näherei im Testbetrieb, einige Monate später kam die Wäscherei hinzu. In der ersten Ausbaustufe sollen 100 Mitarbeiter rund 400.000 und später 800.000 Jeans pro Jahr produzieren – das wären insgesamt drei Prozent des Bruttowarenvolumens.

In die Fabrik wurde viel Zeit und Energie investiert – eine Fläche von 4300 Quadratmetern musste saniert werden. Aber das Unternehmen wollte es trotzdem machen, weil „wir so viel mehr Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Produkte haben“, sagt Betty Kieß, Sprecherin von C&A The Aktuelle News. So sollen beispielsweise für die Herstellung einer Jeans in Mönchengladbach nur noch 10 Liter Wasser verbraucht werden, statt der üblichen 50 bis 60 Liter. Die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien in Deutschland würde auch die Produktion nachhaltiger machen.

Statistiken zeigen, dass eine nachhaltige Produktion für viele Verbraucher immer wichtiger wird. Die Global Sustainability Study 2021 des Beratungsunternehmens Simon-Kucher hat 1.000 Menschen aus 17 Ländern zu ihrem Konsumverhalten befragt. Demnach haben insgesamt 63 Prozent der weltweit Befragten in den letzten fünf Jahren Veränderungen hin zu mehr Nachhaltigkeit vorgenommen. Umweltfreundlicher Konsum wird auch in Deutschland immer wichtiger: 34 Prozent der deutschen Befragten gaben an, ihr Konsumverhalten dadurch geändert zu haben.

Das Problem ist jedoch, dass die Verbraucher in der Regel nicht bereit sind, mehr Geld für Umweltfreundlichkeit auszugeben. Dieselbe Studie besagt, dass nur 35 Prozent der Befragten bereit wären, mehr für grüne Produkte zu bezahlen. Das entspricht der Hälfte der Befragten, die sich mehr Nachhaltigkeit wünschen. Aber auch diese Kunden will C&A mitnehmen, denn die in Mönchengladbach produzierte Jeans soll kein Premiumprodukt werden. Alle Jeans sollen unter 100 Euro kosten – nicht die günstigsten auf dem Markt, aber auch nicht die teuersten.

Das ist laut Steffen Kinkel, Leiter des Instituts für Lernen und Innovation in Netzwerken an der Hochschule Karlsruhe und Professor für International Business, aus einem Grund möglich: „Es steht und fällt mit dem Ausmaß, in dem manuelle Tätigkeiten reduziert und reduziert werden können zumindest Teilschritte automatisiert“, sagt er The Aktuelle News. Und tatsächlich hat C&A in Mönchengladbach einen großen Teil seiner Produktion automatisiert.

Rund 50 Prozent der Produktion sind nach Angaben des Unternehmens automatisiert. Eine Maschine schneidet den Denim: „In 17 Minuten sind alle Teile für 350 Hosen perfekt auf die Zielgröße zugeschnitten“, erklärt Kieß. Eine andere Maschine näht die Hosentaschen, eine andere die Naht am Reißverschluss. Dafür braucht es mehr als fünf Näherinnen in Asien. In der Wäscherei sorgt ein Laser und nicht mehr ein Mensch mit Kreide und Bürste für den Used-Look der Jeans. Und das alles in einem Bruchteil der Zeit, die es sonst dauern würde. „Automatisierung macht Standortwechsel möglich“, sagt Kieß.

Als Anfang der 2000er Jahre immer mehr Unternehmen nach Osten zogen, lag das nicht daran, dass es logistisch sinnvoller wäre, in China zu produzieren. Die Arbeitskosten waren niedrig genug, um höhere Transportkosten zu akzeptieren. Doch dann wurde die Produktion zunehmend automatisiert – auch in China. Und die Unternehmen haben zunehmend erkannt: „Ob ich eine Maschine hier oder in Asien betreibe, macht bei den Maschinenkosten keinen Unterschied“, sagt Kinkel. „Der Unterschied liegt nur in den Arbeitskosten.“ Wenn jedoch der größte Teil der Produktion von Robotern erledigt wird, kann nur ein kleiner Teil der Produktionskosten auf die Arbeitskosten zurückgeführt werden. Die Rechnung lautet also für viele Unternehmen: höhere Lohnkosten in Deutschland, aber geringere Transportkosten.

Aber fast noch wichtiger für die Produktion – gerade in der Fast-Fashion-Industrie – ist die Flexibilität, die mit der Technik einhergeht. Wenn die automatisierte Produktion eine Verlagerung nach Deutschland ermöglicht, werden lange Lieferzeiten eingespart. Dadurch sind Staus, beispielsweise im Suezkanal, nicht so gravierend. Auch Behälterengpässe wirken sich weniger auf die Produktion aus. „Außerdem ist man natürlich viel schneller und flexibler, wenn es darum geht, sowohl die Menge als auch die produzierten Varianten an den tatsächlichen Kundenbedarf anzupassen“, sagt Kinkel.

Außerdem kann sich die Produktion besser an die Schnelllebigkeit der Modebranche anpassen. Das hat auch Adidas erkannt. Der Sportmodehersteller hat eine Reihe von Sportschuhen auf den Markt gebracht, die mit einem 3-Drucker hergestellt werden. Die Speedfactory in Ansbach kann neue Produkte schnell auf den Markt bringen, um der Nachfrage nach neuen Styles gerecht zu werden.

Im Frühjahr will C&A die erste Jeans mit „Made in MG“ auf dem Etikett verkaufen. Nicht nur das Unternehmen selbst wird die kommenden Monate sehr genau beobachten. Die gesamte deutsche Modebranche dürfte den Launch der Mönchengladbacher Jeans mit Spannung verfolgen. Denn die Fabrik in NRW könnte die Art und Weise, wie in Deutschland produziert wird, grundlegend verändern. „Ich denke, der Lackmustest wird sein, ob C&A die Jeans erfolgreich produzieren und verkaufen kann“, sagt Kinkel. „Und wenn es klappt, kann ich mir gut vorstellen, dass andere Unternehmen Ähnliches versuchen werden.“

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