Donnerstag, Juni 23, 2022
StartWIRTSCHAFTModehändler: Die Krise holt Zalando ein

Modehändler: Die Krise holt Zalando ein

- Anzeige -


EEs ist keine gute Zeit für Händler mit nicht lebensnotwendigen Gütern. Bei Inflationsraten um 8 Prozent und um gut ein Drittel steigenden Energiepreisen fragen sich viele Verbraucher, worauf sie verzichten können. Mode und Kosmetik gehören offensichtlich zu vielen – und das trifft Europas größte Handelsplattform für diese Waren – das Berliner Dax-Unternehmen Zalando – mit Wucht.

Der Konzern tut sich bereits schwer damit, sein Geschäft in der Nach-Corona-Zeit auszubalancieren. Nach der erfolgsverwöhnten Pandemie verzeichnete Zalando Anfang des Jahres den ersten Umsatzeinbruch seiner Firmengeschichte. Im Frühjahrsquartal von März bis Juni wird der Konzern nun von der Kriegs- und Inflationskrise eingeholt.

So sehr, dass sich die Unternehmensführung offenbar genötigt sah, am Donnerstagabend in einer Ad-hoc-Meldung bekannt zu geben, dass Umsatz-, Gewinn- und Wertzuwächse über die Plattform der verbreiteten Artikel (GMV) „deutlich“ unter den aktuellen Analystenerwartungen liegen. Daraufhin brach der Aktienkurs im nachbörslichen Handel um gut 8 Prozent ein. „Das zweite Quartal ist profitabel, aber schwächer als erwartet“, schrieb Zalando.

Genaue Zahlen nannte das Unternehmen nicht, Zalando will seine Quartalszahlen weiterhin am 4. August präsentieren. Man könnte also denken: doch profitabel. Denn im ersten Quartal des Jahres habe es beim Betriebsergebnis (bereinigt und vor Zinsen und Steuern) einen Fehlbetrag von 51,8 Millionen Euro gegeben. Der Zeitpunkt, an dem die Ankündigung dann aber konkrete Zahlen – mit dem korrigierten Jahresausblick – nannte, dürfte die Hoffnungen der Anleger weitgehend zunichte machen.

Zalando hat seine Gewinnprognose etwa halbiert und die Umsatzwachstumserwartungen auf nahezu null zurückgeschraubt. Statt einem operativen Ergebnis von mindestens 430 Millionen Euro in diesem Jahr werden jetzt nur noch zwischen 180 und 260 Millionen erwartet, statt einem Umsatzwachstum von 12 Prozent nur noch 0 bis 3 Prozent. Nach dem Umsatzrückgang im ersten Quartal des Jahres ist es nun möglich, dass Zalando das ganze Jahr über nicht wachsen wird – es sind neue Zeiten für ein Unternehmen, das als Start-up gestartet ist und sich seitdem immer über sein Wachstum definiert hat .

Die Berliner investieren weiter, auch wenn sie das Jahresbudget von 400 bis 500 Millionen Euro leicht auf 350 bis 400 Millionen reduzieren. Dennoch geht die Prognose davon aus, dass sich das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte verbessern und das Wachstum wieder anziehen wird.

Zalando will besser werden, vor allem bei der Profitabilität. Im vergangenen Quartal reduzierte das Unternehmen seine Marketingausgaben, änderte seine Investitionen in die eigene Logistik, um eine höhere Auslastung der einzelnen Versandzentren zu erreichen, und führte in 15 Märkten Mindestbestellwerte ein. Das bedeutet, dass Kunden in fast allen 25 Ländern der Gruppe mittlerweile eine Mindestbestellmenge erreichen müssen, um ihre Mode versandkostenfrei geliefert zu bekommen. In Deutschland beträgt dieser Mindestbestellwert 24,90 Euro.

Dennoch ist unklar, ob Zalando sein langfristiges Ziel erreicht, bis 2025 Waren für 30 Milliarden Euro zu verkaufen. Laut der gesenkten Prognose soll das GMV in diesem Jahr rund 15 Milliarden erreichen. Aber das wäre nur die halbe Miete. „Während sich das aktuelle Umfeld negativ auf unsere finanzielle Entwicklung auswirkt, bleiben unsere Strategie und langfristigen Ziele unverändert“, sagte Co-CEO Robert Gentz ​​tapfer.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare