Mittwoch, Oktober 20, 2021
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Monatelanges Warten: Zertifizierer blockieren Solarausbau

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Bürokratische Vorschriften bremsen den Ausbau der Solarenergie in Deutschland. Auch fertige Solaranlagen gehen derzeit erst nach Monaten ans Netz – mangels Zertifizierung.

Damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen kann, muss die Solarenergie zügig ausgebaut werden. Der Bundesverband der Solarwirtschaft fordert, dass der jährliche Zubau auf 15 bis 16 Gigawatt mehr als verdreifacht werden muss. Doch nicht nur fehlende politische Vorgaben, sondern auch bürokratische Regelungen erschweren die Einspeisung von klimafreundlichem Strom in die Netze.

Nun blockieren auch komplexe Zertifizierungen den Ausbau. Zertifizierungsunternehmen können mit der gestiegenen Nachfrage derzeit nicht Schritt halten und können Systeme nur mit Verzögerung prüfen. Das Ergebnis: Bereits fertig gestellte Solaranlagen stehen monatelang ungenutzt im Feld. „Die Wartezeiten auf ein Zeugnis betragen 20 bis 40 Wochen“, beklagt Robert Sing vom Ingenieurbüro Sing in Landsberg am Lech gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“.

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Solarverbandes, bestätigt Theaktuellenews.com die langen Verzögerungen. „Die Wartezeiten dauern manchmal bis zu einem Jahr“, sagte er.

Schuld am Engpass bei den Zertifizierungsunternehmen sind die neuen gesetzlichen Regelungen. Demnach ist für Anlagen ab 135 Kilowatt ein Zertifikat erforderlich. Bisher lag die Grenze, ab der eine Zertifizierung durchgeführt werden muss, bei einem Megawatt. Dadurch müssen nun deutlich mehr Solaranlagen einen Inspektionsprozess durchlaufen.

Eine der Zertifizierungsgesellschaften, der TÜV Süd, bestätigte die längere Laufzeit aufgrund der komplizierteren Zulassung. „Im Moment erleben wir es relativ häufig, dass unsere Kunden im laufenden Zertifizierungsprozess ihre Unterlagen verbessern müssen, damit wir die Konformität mit den Netzanschlussregeln bestätigen können“, erklärt der TÜV. Dies führt nicht nur bei den Betreibern, sondern auch bei den Zertifizierern zu einem erheblichen Mehraufwand.

Die Solarlobby räumt ein, dass der Aufwand von allen Seiten deutlich unterschätzt wurde. Der Bundesverband warnt daher davor, dass die neue gesetzliche Regelung den Ausbau der Solarenergie bremsen statt beschleunigen wird. Es sei zu beobachten, dass viele Unternehmen die Anlagengröße von 135 Kilowatt meiden und darunter bleiben, sagte Vorstandsvorsitzender Körnig. Die Grenze für Zertifizierungen müsse deshalb wieder hoch angesetzt werden, fordert er.

Damit die fertigen Solaranlagen nicht monatelang untätig in der Landschaft stehen, sollten sie zumindest temporär in Betrieb genommen werden, schlägt Körnig vor. Das Zertifikat kann dann später nachgereicht werden.

Kommerzielle Solaranlagen sind von den Zertifizierungsengpässen betroffen. Ihre Expansion ist ohnehin seit Monaten ins Stocken geraten. Im Juni wurden 67 Prozent weniger Neuanlagen installiert, im Mai waren es 57 Prozent weniger. Nur dank der gestiegenen Nachfrage der Eigenheimbesitzer nach Photovoltaikanlagen stieg die installierte Leistung von PV-Anlagen in Deutschland in den ersten sechs Monaten um 22 Prozent. Für das Gesamtjahr prognostiziert der BSW ein Plus von zehn bis 15 Prozent. 2021 soll die installierte Leistung in Deutschland rund fünf Gigawatt betragen.

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