Freitag, Juni 24, 2022
StartWIRTSCHAFTMonte dei Paschi: Italien rettet erneut die Krisenbank

Monte dei Paschi: Italien rettet erneut die Krisenbank

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ichItaliens größte Krisenbank Monte dei Paschi aus Siena (MPS) will mit einer neuen Kapitalerhöhung und Kostensenkungen aus der Schieflage kommen. Das Unternehmen – die älteste Bank der Welt – hat am Donnerstag einen neuen Strategieplan bis 2026 vorgestellt und die Annahme bestätigt, dass eine Kapitalerhöhung von 2,5 Milliarden Euro notwendig wäre. Der italienische Staat, der mit fast zwei Dritteln des Kapitals größter Anteilseigner ist, will das Geld entsprechend seinem Kapitalanteil zuführen.

Weitere 1,6 Milliarden Euro müssen die Steuerzahler aufbringen, nachdem sie die Bank 2017 mit einer staatlichen Kapitalspritze von 5,4 Milliarden Euro gerettet hatten. Auch die teureren Stützungsmaßnahmen der Vorjahre durch staatliche und private Investoren konnten MPS nicht stabilisieren. Neben dem Staat haben nun auch die Banken Bank of America, Citigroup, Credit Suisse und Mediobanca angekündigt, die jüngste Kapitalerhöhung zu zeichnen.

Tatsächlich ist die Regierung verpflichtet, die Bank zu privatisieren. Doch der Interessent Unicredit ist im vergangenen Herbst abgesprungen, sodass die von der EU-Kommission gesetzte Frist zur Privatisierung Ende 2021 stumm verstrichen ist. Die Verhandlungen zwischen Rom und Brüssel zur Verlängerung der Frist dauern noch an; es sollte gewährt werden. MPS sagte am Donnerstag auch, dass die Bank erwartet, dass die Kommission den strategischen Plan in Kürze genehmigt. Die Aktionäre müssen den Plan auch auf einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigen. Sie blieben am Donnerstag skeptisch: Bis zum Nachmittag verlor die MPS-Aktie 1,4 Prozent.

Der neue Plan sieht drastische Kostensenkungen vor, wie der seit Februar amtierende CEO Luigi Lovaglio erläutert. 4.000 der 21.000 Stellen sollen auf freiwilliger Basis gestrichen werden, was die Bank rund 800 Millionen Euro kosten wird. Gut 12 Prozent der Filialen, rund 150 an der Zahl, sollen geschlossen werden. Bankchef Lovaglio kündigte an, dass das Verhältnis von Einnahmen und Kosten von 71 Prozent im vergangenen Jahr auf 60 Prozent im Jahr 2024 sinken werde. MPS will 2025 wieder eine Dividende zahlen.

500 Millionen Euro will die Bank investieren, um das Geschäft wiederzubeleben. MPS konzentriert sich wieder auf das klassische Bankgeschäft für Haushalte und kleine und mittlere Unternehmen; Vermögensverwaltung und versicherungsnahe Produkte, beispielsweise in Kooperation mit dem französischen Versicherer Axa, bilden einen Schwerpunkt. Auch der Ausbau der Online-Bank Widiba gehört zu den Schwerpunkten. MPS will dort 30 Millionen Euro in das Digitalgeschäft investieren.

Das Geschäftsmodell soll „klar und einfach“ sein, kündigt die Bank an. In der Vergangenheit war sie geprägt von Skandalen, die aus Intransparenz, Verschmelzungen mit der Lokalpolitik und waghalsigen Derivategeschäften entstanden. Nun beginnt ein „neues Kapitel für unsere Bank“, sagte Verwaltungsratspräsidentin Patrizia Grieco. MPS hat „die Lehren aus seiner langen Geschichte gezogen“ und besinnt sich auf seine ursprünglichen Werte, allen voran die Nähe zu seinen Kunden.

Die Bank hofft, dass der Umsatz bis 2026 jährlich um durchschnittlich 2 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro steigen wird. Der Nettogewinn soll in diesem Zeitraum deutlich stärker wachsen – auf 833 Millionen Euro, mehr als das Zweieinhalbfache des Vorjahresniveaus . Notleidende Kredite werden weiter abgebaut und die Tier-1-Kapitalquote soll von 11,6 auf 14,2 Prozent bis 2024 und auf 15,4 Prozent bis 2026 steigen.

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