Samstag, Oktober 16, 2021
StartWIRTSCHAFTNeues Rekordhoch: Finanzvermögen der Deutschen steigt wieder

Neues Rekordhoch: Finanzvermögen der Deutschen steigt wieder

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Trotz gelockerter Corona-Maßnahmen und neuer Konsumlust werden die Deutschen im Schnitt reicher. Das Finanzvermögen klettert auf ein Rekordhoch. Dabei spielt die Börse eine große Rolle.

Obwohl die Corona-Beschränkungen gelockert wurden und die Menschen in Deutschland wieder gerne einkaufen, haben sie ihr Geld zusammengehalten. Gleichzeitig profitierten sie vom Anstieg der Börsenkurse. Nachdem in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 erstmals die Sieben-Billionen-Euro-Marke geknackt wurde, ist das Geldvermögen nun auf ein weiteres Rekordhoch geklettert.

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank stieg das Vermögen der privaten Haushalte aus Bargeld, Wertpapieren, Bankguthaben und Forderungen gegenüber Versicherungen im zweiten Quartal auf 7.325 Milliarden Euro. Das sind 159 Milliarden Euro mehr als Ende März, teilte die Notenbank heute mit. Ökonomen erwarten im Jahresverlauf einen weiteren Anstieg. Wie sich die enorme Summe verteilt, verraten die Daten der Bundesbank jedoch nicht.

Die schrittweise Lockerung der Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beflügelte die Konsumausgaben im zweiten Quartal. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes entwickelte sich die Sparquote – also die Höhe der Ersparnisse gemessen am Einkommen – zuletzt rückläufig. Trotzdem legten die Leute immer wieder Geld auf die hohe Kante.

So blieben zum Beispiel Bargeld und Bankguthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten Ende Juni mit gut 2910 Milliarden Euro weiterhin der größte Posten. Im zweiten Quartal kamen rund 52 Milliarden Euro hinzu. Sparer verdienen wegen der geringen Zinsen nichts und müssen mittlerweile oft schon bei kleinen Beträgen nachzahlen, können aber im Bedarfsfall schnell auf ihr Geld zugreifen und gehen kaum Risiko ein.

Gleichzeitig wagen sich in Deutschland zunehmend als risikoaverser geltende Sparer den Gang an die Börse. „Liquide oder als risikoarm empfundene Anlagen sind insgesamt noch sehr beliebt, aber die privaten Haushalte erhöhen seit Jahren ihr Engagement am Kapitalmarkt“, teilte die Notenbank mit.

Im zweiten Quartal beispielsweise kauften private Haushalte Fondsanteile für 24 Milliarden Euro und Aktien für sieben Milliarden Euro. Laut Bundesbank haben Bewertungsgewinne bei Aktien und Investmentfondsanteilen maßgeblich zum Wachstum des Geldvermögens im zweiten Quartal beigetragen.

Im vergangenen Jahr kletterte die Zahl der Aktionäre nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) auf den höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Demnach besaßen 12,35 Millionen Deutsche – und damit jeder Sechste – Anteile an Unternehmern oder Fonds, knapp 2,7 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Aktiensparer war zuletzt 2001 höher.

Etwas weniger Geld investierten die privaten Haushalte als in den Vorquartalen in Versicherungen und andere Vorsorgeprodukte. Hier erhöhten sich die Vorräte um rund 20 Milliarden Euro auf rund 2529 Milliarden Euro.

Für das laufende Jahr erwartet die DZ Bank einen weiteren Anstieg der Finanzanlagen. Laut DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel dürften die Menschen dank der zunehmenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen weniger sparen als 2020. Trotzdem soll das Geldvermögen dank Wertsteigerungen von Aktien, Fonds und Zertifikaten auf 7,6 Billionen Euro steigen, hieß es in einer im Sommer veröffentlichten Analyse des Spitzengenossenschaftsinstituts. Im kommenden Jahr ist mit einem weiteren Anstieg auf knapp acht Billionen Euro zu rechnen.

Auch im zweiten Quartal nutzten die Menschen in Deutschland die niedrigen Zinsen, um sich Geld zu leihen. Nach Abzug der Schulden stieg das Nettofinanzvermögen gegenüber dem ersten Quartal um rund 130 Milliarden Euro auf 5336 Milliarden Euro. Immobilien, die seit Jahren stark an Wert gewinnen, sind in den Daten nicht enthalten.

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