Donnerstag, Januar 20, 2022
StartWIRTSCHAFTNoch unter Vorkrisenniveau: Das deutsche BIP wächst 2021 um 2,7 Prozent

Noch unter Vorkrisenniveau: Das deutsche BIP wächst 2021 um 2,7 Prozent

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Die deutsche Wirtschaft hat sich 2021 nicht vollständig von der Corona-Krise erholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im vergangenen Jahr saison- und kalenderbereinigt um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer ersten Hochrechnung mitteilte . Allerdings lag die Wirtschaftsleistung immer noch 2 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. „Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2021 war auch stark vom Auftreten von Corona-Infektionen und den damit verbundenen Schutzmaßnahmen abhängig“, sagte Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes. 2020 ließ die Corona-Pandemie das BIP um 4,6 Prozent einbrechen.

Der Aufholprozess wurde durch die Corona-Einschränkungen und Lieferengpässe gebremst. Laut Statistikern ist die Wirtschaft im vierten Quartal geschrumpft. Ökonomen zufolge dürfte das BIP in den nächsten Monaten wieder sinken. Anfang 2021 war die Wirtschaftsleistung aufgrund des Lockdowns bereits um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal eingebrochen. Nach wie vor litten insbesondere Gastronomen, Dienstleister und Einzelhändler unter den Corona-Maßnahmen.

Nachdem die Beschränkungen im Frühjahr schrittweise gelockert wurden, zog der private Konsum jedoch wieder an. Die Wirtschaftsleistung stieg im zweiten Quartal um 2 Prozent und im dritten Quartal um 1,7 Prozent. Ökonomen erwarten, dass die Anschaffungsbereitschaft der Verbraucher auch in diesem Frühjahr den Aufschwung befeuern wird. Durch abgesagte Urlaubsreisen und Einschränkungen der Freizeitaktivitäten sitzen die Privathaushalte auf hohen Ersparnissen.

Allerdings hat die Industrie, die lange Zeit der Motor der wirtschaftlichen Erholung war, seit dem Sommer Probleme, genügend Rohstoffe und Vorprodukte zu bekommen. Die Auftragsbücher sind voll, aber die Industrieunternehmen kommen mit der Produktion nicht hinterher. Zuletzt lag der Auftragsbestand rund ein Viertel höher als vor der Krise, während die Produktion sieben Prozent unter dem Vorkrisenniveau lag.

Grund für die Lieferengpässe ist, dass die Nachfrage nach dem Einbruch 2020 schneller und stärker als erwartet zurückgekehrt ist, dazu kommen unvorhergesehene Erschütterungen der Lieferketten: der Brand in einer japanischen Chipfabrik, der Stau im Suezkanal und Corona-bedingten Hafen Schließungen in Asien – um nur einige Namen zu nennen – sorgten für einen perfekten Sturm. In der Folge stiegen die Preise stark an, was den allgemeinen Preisauftrieb zusätzlich befeuerte. Im Dezember kletterte die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 5,3 Prozent – ​​den höchsten Stand seit 30 Jahren. Im Gesamtjahr verteuerten sich Artikel des täglichen Bedarfs um durchschnittlich 3,1 Prozent.

Eine Entspannung der Engpässe ist vorerst nicht in Sicht, denn mit den zunehmenden omicron-Infektionen in Asien wächst die Gefahr, dass Werk und Häfen plötzlich wieder schließen müssen. Die chinesische Regierung, die eine No-Covid-Strategie verfolgt, hat in den vergangenen Wochen bereits mehrere Millionenstädte abgeriegelt.

Der Branchenverband BDI erwartet daher für 2022 ein weiteres „Stop-and-Go-Jahr“. „Trotz voller Auftragsbücher wird der Mangel an Mikrochips, Bauteilen und Rohstoffen die Produktion noch lange beeinträchtigen“, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm weiter Donnerstag. „Diese Engpässe werden die industrielle Wertschöpfung in den Jahren 2021 und 2022 um mehr als 50 Milliarden Euro bremsen.“ Er rechnet in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Die Prognosen der großen Wirtschaftsforschungsinstitute liegen zwischen 3,5 und 4 Prozent Wachstum.

Ungewiss ist auch, welche Auswirkungen die Omicron-Welle hierzulande haben wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass sich in den nächsten sechs bis acht Wochen mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Europa mit der Omicron-Variante infizieren könnte. Um die kritische Infrastruktur zu sichern, hat der Bundestag am Donnerstag für verkürzte Quarantäneregeln gestimmt. Negative Auswirkungen auf die Wirtschaft können jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Die Krise und staatliche Hilfen für die Wirtschaft belasteten auch 2021 die Landeshaushalte. Zum Jahresende lag das Finanzierungsdefizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen mit 153,9 Milliarden Euro leicht über dem Niveau von 2020 145,2 Milliarden Euro. Gemessen am nominalen, nicht preisbereinigten BIP lag die Defizitquote bei 4,3 Prozent.

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