Donnerstag, Januar 27, 2022
StartWIRTSCHAFTNur noch 3,6 Prozent Wachstum: Omikron bedroht Chinas Wirtschaft

Nur noch 3,6 Prozent Wachstum: Omikron bedroht Chinas Wirtschaft

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„Ayis“ sind in Shanghai schwer zu bekommen. Die Dienste der Haushaltshilfe, deren chinesischer Name wörtlich „Tante“ bedeutet, sind so gefragt, dass ihre Stundenlöhne in der 25-Millionen-Metropole bei Zeitarbeitsfirmen im vergangenen Jahr um ein Drittel gestiegen sind.

Auch die Mietpreise in den Innenstadtlagen klettern auf Niveaus, die sonst nur in den besten Lagen von London und New York erreicht werden. 90-Quadratmeter-Wohnungen für 4.000 Euro im Monat gingen ohne einen einzigen Besuch weg, berichten Makler: „Wer es sich in China leisten kann, zieht nach Shanghai.“

Die Omicron-Variante des Coronavirus machte die Stadt für die Chinesen so richtig attraktiv. Seit die Gefahr einer Massenausbreitung der leicht übertragbaren Virusvariante in dem riesigen Land nicht mehr zu leugnen ist, drohen Lockdowns und Massentests die Freiheit und das Wohlergehen der Bürger in Chinas Millionenstädten massiv zu beeinträchtigen. Shanghai, ohnehin traditionell Chinas liberalste Stadt, hat auf vereinzelte Ausbrüche für chinesische Verhältnisse bisher vergleichsweise mild reagiert und Bewohner einzelner Wohnanlagen nur dann unter Quarantäne gestellt, wenn einer der oft hunderten Nachbarn als Corona-Verdachtsfall eingestuft wurde. Dies war am Donnerstagabend in einem Bubble-Tea-Laden in der Yuyuan-Straße der Fall, nachdem die Behörden fünf neue Fälle gemeldet hatten.

Dass es zwei Jahre nach dem Ausbruch des Coronavirus in Wuhan in China als Standortvorteil gilt, wenn das Risiko etwas geringer ist, nachts von Parteimitarbeitern in Schutzanzügen aus dem Schlaf geweckt und dann zentral eingesperrt zu werden Wochenlange Hotel-Quarantäne: Das lässt die Weltwirtschaft um die Entwicklung des Landes bangen, das nicht mehr nur Werkbank, sondern längst größter Absatzmarkt vor allem für deutsche Unternehmen ist. Nach Xi’an mit 13 Millionen Einwohnern steht nun auch die 14-Millionen-Stadt Tianjin unweit von Peking unter Quarantäne, nachdem dort bis Mittwoch 40 Infektionsfälle registriert wurden.

Der europäische Flugzeughersteller Airbus hat sich in der Hafenstadt ebenso angesiedelt wie Siemens und die deutschen Automobilzulieferer Schaeffler und Mahle. Der japanische Autobauer Toyota hat am Montag den Betrieb in seinen Werken heruntergefahren, weil seine Zulieferer keine Teile mehr lieferten – ihre Mitarbeiter standen für die behördlich angeordneten Massentests an.

Volkswagen, dessen Absatz in China, seinem wichtigsten Markt, aufgrund des Halbleitermangels bereits rapide zurückgeht, hat zwei Werke in Tianjin geschlossen. Ein Besucher der Stadt hat die Omicron-Variante inzwischen in die nordöstliche Hafenstadt Dalian gebracht, die sieben Millionen Einwohner zählt und wie Tianjin zu den 20 größten Container-Umschlagplätzen der Welt zählt. Frachter aus allen Teilen der Welt weichen nach Shanghai aus, was zu Staus und tagelangen Verzögerungen im Warentransport führt.

Bankökonomen schätzen, dass die chinesische Wirtschaft im vierten Quartal des vergangenen Jahres nur um 3,6 Prozent gewachsen ist; Pekings Statistikamt gab die offizielle Zahl am Montag bekannt. Omicron, gegen das die chinesischen Impfstoffe kaum wirken, könnte die Wirtschaft deutlich stärker schwächen, glaubt Goldman Sachs und senkte am Mittwoch seine Prognose für Chinas Wachstum um 0,5 Punkte auf 4,3 Prozent – ​​mit Bankökonom Hui Shan eine lockerere Geldpolitik Chinas Die milliardenschweren Konjunkturprogramme der Zentralbank und der Regierung sind in diesem Szenario bereits einkalkuliert.

Obwohl die Zahl der Omicron-Fälle im Vergleich zu beispielsweise den Vereinigten Staaten winzig ist, scheint ein landesweiter Lockdown in China nicht mehr unmöglich. Da die Olympischen Winterspiele am 4. Februar in Peking beginnen, erhöht dies nur den Druck auf die Regierung, der Welt die Überlegenheit ihrer Null-Covid-Strategie zu beweisen.

Peking hat gezeigt, wie unbeeindruckt von der Kritik an den drakonischen Maßnahmen, indem es 70 Flüge aus den USA nach China gestrichen hat. Washington hat angeprangert, dass es erstmals seit Anfang der 1980er-Jahre praktisch keine Linienflüge mehr von den USA in die Volksrepublik gegeben habe. Die Anreise in die Hauptstadt Peking gestaltet sich allerdings auch von Shanghai aus schwierig. Sie hat seit Donnerstagabend einen „Stern“ – und gilt als riskante Stadt.

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