Samstag, Juni 25, 2022
StartWIRTSCHAFTÖlkonzern Rosneft: Düstere Aussichten für Russlands Ölindustrie

Ölkonzern Rosneft: Düstere Aussichten für Russlands Ölindustrie

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WWie sehr Russland derzeit von den hohen Öl- und Gaspreisen profitiert, zeigen Meldungen von Ende Mai: Der größte Ölkonzern des Landes, Rosneft, kündigte an, eine Rekorddividende in Höhe von umgerechnet rund 7 Milliarden auszuschütten Dollar, was etwa der Hälfte des Jahres entspricht, entspricht dem Nettogewinn. Der wie Rosneft staatlich kontrollierte Gaskonzern Gazprom hatte zuvor eine so hohe Ausschüttung wie nie zuvor an seine Investoren angekündigt.

Und doch sind die Aussichten für Rosneft in diesem Jahr düster. Ein erfolgreiches Jahr wie 2021 – als der Konzern bei einer Erholung der Weltwirtschaft seinen in Dollar berechneten Nettogewinn auf beispiellose 11,7 Milliarden Dollar steigern konnte – wird sich wohl kaum wiederholen. Auch dieses Jahr hat aus Sicht des Unternehmens gut begonnen: Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine und in Erwartung des Inkrafttretens des EU-Ölembargos Ende des Jahres stieg der Ölpreis weiter in die Höhe. Rosneft kann sogar darüber hinwegsehen, dass es sein Öl wegen der Sanktionen und des freiwilligen Rückzugs westlicher Käufer derzeit mit deutlichen Preisabschlägen von rund 30 Prozent verkaufen muss.

Gleichzeitig wurde jedoch im Mai deutlich, dass der Konzern bereits Monate vor Inkrafttreten des EU-Embargos für einen Großteil der russischen Öllieferungen deutlich härter von westlichen Sanktionen getroffen wurde als seine russischen Konkurrenten. Nach Angaben des russischen Energieministeriums, die von der Nachrichtenagentur Bloomberg analysiert wurden, ist Rosneft für zwei Drittel des Rückgangs der russischen Ölproduktion seit dem Einmarsch in die Ukraine verantwortlich. Der Konzern ist nur für 40 Prozent der Ölförderung des Landes verantwortlich. Rosneft musste also seine Produktion stärker reduzieren als andere. Laut Bloomberg stieg der Anteil der inaktiven Bohrlöcher bei Rosneft von 17 Prozent im Januar auf 30 Prozent im April. Insgesamt ist die Förderung von Öl und dem als Nebenprodukt anfallenden Erdgaskondensat laut russischer Statistikbehörde im April gegenüber März um 11,5 Prozent zurückgegangen.

Dass Rosneft so hart getroffen wurde, hat mehrere Gründe: Zum einen spielte das Anfang März verhängte US-Importverbot für russisches Öl eine Rolle, da es die für die USA wichtigen Schweröllieferungen an die Golfküste betraf Rosneft als größter Raffineriebetreiber Russlands. Hinzu kommt laut dem russischen Ölexperten Mikhail Krutichin das Problem, dass die Rosneft-Raffinerien in Russland „technologisch viel rückständiger“ seien als die ihrer Konkurrenten. Sie lieferten viel Masut-Heizöl und Petroleum, das in Europa weniger gefragt ist – dies und der freiwillige Ausstieg vieler Händler zwingen Rosneft, die Produktion zu reduzieren.

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