Freitag, Juni 24, 2022
StartWIRTSCHAFTPerspektive für die Wismarer Werft: U-Boote statt Kreuzfahrtschiffe

Perspektive für die Wismarer Werft: U-Boote statt Kreuzfahrtschiffe

- Anzeige -


Die Werft in Wismar, einem der traditionsreichsten Schiffbaustandorte Deutschlands, hat wieder eine langfristige Perspektive. Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) übernimmt das Gelände der insolventen MV Werften und baut dort ab 2024 U-Boote. Dass ein Meilenstein im Insolvenzverfahren erreicht ist, zeigt die Tatsache, dass die Belegschaft gleich mehrere Prominente zu sehen bekam Gesichter bei einer Informationsveranstaltung am Freitag: Neben Insolvenzverwalter Christoph Morgen waren auch Wirtschaftsminister und Bürgermeister anwesend, Vertreter von Betriebsrat und Gewerkschaft und allen voran der Chef von ThyssenKrupp Marine Systems, Oliver Burkhard.

„Wir kommen nach Wismar, um Marine Systems, aber auch dem Standort und den Menschen eine echte Perspektive zu geben“, verspricht Burkhard.

Allerdings steht noch nicht fest, wie viele Arbeitsplätze TKMS schaffen wird. Viel hänge nun davon ab, wie schnell und in welchem ​​Umfang die Bundesregierung weitere U-Boote bei den Kielern bestelle, stellte Burkhard klar: „Je mehr Aufträge, desto mehr Arbeitsplätze.“ bis 2024 könnten bei TKMS bis zu 800 Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings könnte die Mitarbeiterzahl in Wismar auf 1.500 steigen, wenn es Aufträge im Flächenbereich gäbe. Konkret wartet der Arbeitskreis deutscher Werften auf ein weiteres Los für den Bau mehrerer Korvetten des K130-Modells, das zu einer gewissen Industrialisierung der bisher sehr manuellen Fertigung des Kampfschiffs führen könnte.

Reinhard Meyer, Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, ist sich sicher, dass die Kompetenzen vorhanden sind: „Die Mitarbeiter haben erfolgreich bewiesen, dass sie Schiffe bauen und komplexe Herausforderungen meistern können.“ Es bestehe nun die Chance, möglichst viele Arbeitsplätze in der maritimen Industrie zu halten, so Meyer. Diesem Zweck dient auch die Transfergesellschaft, in der die letzten 1500 Mitarbeiter der MV-Werften weiterqualifiziert und auch für Bewerbungen ausgebildet werden, wobei man auf der Ostsee hofft, dass die Menschen den maritimen Sektor nicht verlassen.

Deshalb hat der Landtag in Schwerin am Donnerstag in einer Sondersitzung den Weg frei gemacht, die bisher auf Juni befristete Transfergesellschaft um weitere vier Monate zu verlängern. Dafür sollen 10,3 Millionen Euro aus dem MS-Schutzfonds verwendet werden. „Wir wollen Arbeitslosigkeit und Abwanderung verhindern“, betonte Daniel Friedrich, Kreisgeschäftsführer der IG Metall Küste. Mit der TKMS wurden bereits Eckpunkte für den Beschäftigungsaufbau vereinbart. Erste Angebote sind daher für Designer und ein Baustellenteam geplant. Auch die Ausbildung ist gesichert. Auch andere zivile Projekte will die IG Metall gemeinsam mit TKMS betreuen, etwa eine Plattform zur Munitionsbergung in Nord- und Ostsee zum Schutz der Meere.

„Mir ist bewusst, dass es noch ein weiter Weg bis zum Neustart der Werft ist“, sagte Insolvenzverwalter Christoph Morgen: „Deshalb werde ich alles tun, um den Übergang zu organisieren und möglichst vielen Mitarbeitern einen Arbeitsplatz zu sichern.“ Zu tun hat die Werft derzeit noch das Kreuzfahrtschiff Global One, das mit seiner farbenfrohen Bemalung seit der Insolvenz der MV-Werften im Januar vielfach gezeigt wurde. Das 342 Meter lange Schiff war für den ehemaligen MV-Besitzer Genting bestimmt, der es als schwimmendes Casino in Asien nutzen wollte und für eine Belegung von mehr als 9000 Personen sorgte.

Das Schiff ist zu drei Vierteln fertig, weshalb Morgen gehofft hatte, andere Touristikunternehmen als Käufer zu finden und es vorher in Wismar fertig bauen zu können. Tatsächlich gab es bereits sehr konkrete Verhandlungen mit der schwedischen Reederei Stena, darunter auch eine Finanzierung mit Hilfe des Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Stena ist jedoch abgesprungen, weil sich die Aussichten für die Kreuzfahrtindustrie wieder eingetrübt haben. Findet sich kein anderer Käufer, müsste das Schiff als Schrott verkauft werden. Ein Teil der Mitarbeiter konnte auch für den damit verbundenen Rückbau eingesetzt werden.

Über den Kaufpreis der Wismarer Werft sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte der Insolvenzverwalter mit. Allerdings sagte er ausdrücklich, er habe „das beste Ergebnis für die Insolvenzgläubiger erzielt“. Für sie zeichnen sich weitere positive Nachrichten ab. Christoph Morgen befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Bundeswehr für die Werft in Rostock-Warnemünde, dem einzigen Standort der MV Werften, für den es noch keine Einigung gibt. Dort könnte das Marinearsenal der Bundeswehr entstehen, das für die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft der Marine zuständig ist. Rund 500 Menschen könnten dort mit Reparaturen und Wartungsarbeiten an Schiffen beschäftigt werden.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare