Samstag, Juni 25, 2022
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Planet Labs: Bekämpfung des Klimawandels aus dem Weltraum

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WWenn Sie die Nachrichten in den letzten Monaten verfolgt haben, haben Sie wahrscheinlich schon einmal ein Bild von Planet Labs gesehen, auch wenn Sie noch nie von diesem in Kalifornien ansässigen Unternehmen gehört haben.

Luftbilder zum Beispiel vom Stahlwerk in Mariupol, vom nordkoreanischen Atomwaffentestgelände oder von den Auswirkungen der Hitzewelle in Pakistan. Die Kalifornier betreiben ein Netzwerk aus Satelliten, die mit hochauflösenden Kameras die Erde fotografieren – mehrmals täglich. Der britische Physiker Will Marshall, einer der Gründer, hat große Pläne für seine Satellitenflotte.

Er glaubt, dass alle von den Vereinten Nationen definierten Entwicklungsziele mit aktuellen Satellitenbildern leichter zu erreichen sind. Und auch im Kampf gegen den Klimawandel sollen Bilder aus dem All helfen. „Man kann nicht verwalten, was man nicht misst“, sagt Marshall. Es ist wichtig, die Erde mit einer höheren Frequenz zu beobachten, als die Menschheit sie verändert. Nur einmal im Jahr neue Aufnahmen zu haben, ist einfach zu langsam.

Die Idee hinter Planet Labs entstand im Mekka der „Space Geeks“, der Weltraumfreaks, wie Marshall sich und seine Mitstreiter nennt: bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Dort war er nach seiner Promotion eingestellt worden. Heute lobt er die dortige Forschung.

Aber eines ließ ihn nicht los. „Die Smartphones in unseren Taschen haben fast alles, was man für einen Satelliten braucht: Beschleunigungsmesser, Gyroskope, GPS. Sie haben Funkgeräte zum Telefonieren und Kameras zum Fotografieren.“ Es besteht eine 90- bis 95-prozentige Überlappung mit dem, was für einen Satelliten benötigt wird. Also fragte Marshall: „Dieses Handy kostet 500 Dollar, und ein Satellit kostet normalerweise 500 Millionen Dollar. Was bringen uns die zusätzlichen sechs Nullen?“

Marshall meinte das ganz wörtlich. Er und seine NASA-Kollegen beschlossen, ein Experiment durchzuführen. Sie schossen drei Handys („Google Nexus Ones, die konnten wir besser programmieren als iPhones“) ins All, ließen sie fotografieren und schickten sie zurück zur Erde. „Und es hat funktioniert!“ Nicht alle bei der NASA waren davon begeistert, Marshall verlor fast seinen Job, sagt er. 2010 gründete er mit zwei Kollegen sein eigenes Unternehmen und baute seinen ersten Satelliten in einer Garage in Cupertino nach echter Silicon-Valley-Manier.

Heute hat Planet Labs rund 200 Satelliten im Orbit, die aus 400 Kilometern Höhe mehrmals täglich die gesamte Erde fotografieren. Ganz so günstig wie ein Smartphone sind die „Doves“ (Tauben) nicht geworden, die Technik ist etwas komplizierter. Ein Satellit der aktuellen Flotte kostet durchschnittlich zwischen 200.000 und 300.000 Dollar. Das meiste davon fließt in den Start, bei dem Planet Labs mit Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX zusammenarbeitet.

Und wo sind die restlichen Nullen? Ein Faktor ist die Größe. Eine „Taube“ ist nicht größer als ein Schuhkarton und wiegt etwa fünf Kilogramm. Etwas größer sind die „Skysat“-Modelle, die Planet Labs bei Google gekauft hat. Ihre Fotos bieten aber auch eine höhere Auflösung von bis zu 50 Zentimetern pro Pixel im Vergleich zu den drei bis fünf Metern der „Doves“. Nächstes Jahr plant Planet Labs, eine neue Flotte von „Pelikanen“ in die Umlaufbahn zu bringen, die bis zu 30 Bilder pro Tag aufnehmen und die Auflösung noch weiter auf 30 Zentimeter pro Pixel erhöhen wird.

Laut Marshall ist ein erheblicher Teil des Kostenunterschieds auf die Risikoaversion der NASA zurückzuführen. Es geht um Wissenschaft, nicht um Kostenoptimierung. „Wenn Sie Hunderte von Millionen für den Satelliten ausgeben, möchten Sie sicherstellen, dass nichts schief geht. Am Ende zahlen Sie dafür mehr, anstatt einfach mehr Satelliten hochzuwerfen und Redundanz zu haben.“ Einfach mehr Satelliten hochzuwerfen, ist Marshalls Ansatz. Die Ausfallrate der Planet-Labs-Flotte liegt immer noch unter fünf Prozent. Viel zu niedrig, findet er. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen nicht genügend Risiken eingeht. Der Preis könnte niedriger sein, die Leistung höher, wenn die Technologie stärker vorangetrieben würde.

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