Mittwoch, September 28, 2022
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Preise für Bus- und Bahnfahrten: 9 Euro sollten nicht das letzte Wort sein

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NNach nur drei Monaten wird das 9-Euro-Ticket wie geplant in den vorläufigen Ruhestand versetzt. Ende August läuft die größte Rabattaktion in der Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs aus. Ab Donnerstag gelten in Bussen und Bahnen wieder die gewohnten Preise und Rabatte. Eine sofort wirksame, bundesweit einheitliche Nachfolgeregelung werde es nicht geben, dämpft Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) angesichts drohender Milliarden-Mehrbelastungen für den Bundeshaushalt die Erwartungen.

Klar ist: Das 9-Euro-Ticket hat zu Fahrgastrekorden im Nahverkehr geführt. Auch eine vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Auftrag gegebene Umfrage ergab, dass das Ticket den Autoverkehr zumindest vorübergehend reduziert hat. Demnach wären sonst zehn Prozent aller Fahrten mit dem Ticket mit Kraftfahrzeugen zurückgelegt worden. Laut VDV sank die tägliche Pkw-Nutzung von 43 auf 39 Prozent.

Ob das Billigticket jedoch über solche kurzfristigen Effekte hinaus nachhaltig wirkt, ist ebenso offen wie die Frage, ob die 2,5 Milliarden Euro zur Finanzierung des 9-Euro-Tickets nicht sinnvoller hätten eingesetzt werden können – schließlich Nicht alle wollen in der Stadt dauerhaft überfüllte Busse und Bahnen bleiben, und manch einer mag in den vergangenen drei Monaten zu dem Schluss gekommen sein, dass der Bund lieber zusätzliche Milliarden für den Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur ausgeben sollte als für extrem günstige Tickets .

Allein im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) wurden rund 2,3 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Die während der Corona-Pandemie zeitweise auf 30 Prozent des üblichen Niveaus gesunkenen Fahrgastzahlen erreichten laut RMV im Sommer wieder das Vor-Corona-Niveau: Täglich wurden durchschnittlich rund 2,5 Millionen Fahrgäste gezählt.

Kein Wunder, dass RMV-Geschäftsführer Knut Ringat beides will: langfristig günstige Tickets und mehr Geld für den Ausbau des ÖPNV. „Das 9-Euro-Ticket hat das Potenzial des öffentlichen Nahverkehrs gerade im Freizeitverkehr gezeigt“, so Ringat. Gleichzeitig ist aber auch deutlich geworden, dass es mehr Schienen, mehr Mitarbeiter und zusätzliche Fahrzeuge braucht, damit mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen können.

Anregungen für attraktive Folgeangebote zum 9-Euro-Ticket gibt es reichlich. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen schlägt beispielsweise eine bundesweit gültige Monatskarte für 69 Euro vor. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) plädiert für ein 31-Euro-Ticket für Bedürftige und ein 69-Euro-Ticket für alle anderen; das würde jährlich rund zwei Milliarden Euro kosten.

Aber auch ohne solch günstige Angebote wird sich der Finanzbedarf des RMV laut einem Bericht bis 2030 in etwa verdoppeln. Demnach entfallen mehr als 90 Prozent der zu erwartenden Mehrkosten auf die bestehenden Angebote und nur zehn Prozent auf deren Ausbau. Die Gesamtkosten für den Bus- und Schienenverkehr im RMV liegen derzeit bei fast zwei Milliarden Euro pro Jahr. Gut jeder zweite Euro stammt laut Verkehrsverbund aus Fahrgeldeinnahmen, der Rest aus öffentlichen Mitteln, wobei der Anteil der Fahrgeldeinnahmen bei Angeboten wie einem 69-Euro-Ticket natürlich sinken würde.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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