Mittwoch, September 28, 2022
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Prenzlauer Berg und Prenzlau: Stadt oder Land: Wer übersteht die Krise besser?

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Herr Sommer, was verbinden Sie als Bürgermeister von Prenzlau mit Prenzlauer Berg in Berlin?

Sommer: Zunächst möchte ich festhalten, dass Prenzlauer Berg nach Prenzlau benannt ist und nicht umgekehrt. Ich hatte Besucher, die dachten, Prenzlau gehöre zu Berlin. Sie waren dann überrascht, dass die Fahrt vom Flughafen so lange dauerte.

Herr Benn, wie oft werden Sie nach Prenzlau gefragt?

Benn: Das kommt selten vor.

Die Uckermark ist bei Berlinern längst angesagt. Auch bei Schriftstellern, in deren Romanen die Einheimischen nicht immer gut wegkommen. Stört Sie das, Herr Sommer?

Sommer: Ich freue mich, dass wir interessant geworden sind. Heute leben hier Filmregisseure oder der Manager von Rammstein. Wir haben einen großen Zustrom von Menschen, die uns bereichern. Andererseits gibt es Diskussionen: Der Traktor fährt zu schnell, der Hahn kräht zu laut und der Mist stinkt.

Ist das die berühmt-berüchtigte Latte-Macchiato-Gruppe aus Prenzlauer Berg?

Sommer: Da ist was dran am Klischee. Wenn ich in unserem Bio-Laden jemanden sehe, der barfuß im Baggy-Shirt ein Kind hält, das mit vier noch am Schnuller nuckelt – dann sind das wahrscheinlich Berliner.

Gehst du auch in den Bioladen?

Sommer: Es gibt Buttermilch aus Bayern, die schmeckt wie im Urlaub am Berg. Aber noch einmal: Die Menschen aus der Stadt sind uns trotz kleiner Reibungen willkommen. Sie renovieren leerstehende Gehöfte und bringen neue Ideen ins Dorf – zum Beispiel, dass Menschen zusammenkommen und sich treffen. Das gab es früher oft nicht.

Herr Benn, haben Sie als Berliner ein Haus auf dem Land?

Benn: Ich komme ursprünglich aus Brandenburg und habe dort noch Familie. Damit gehöre ich zur größten Zuwanderergruppe der Stadt: 200.000 Berliner wurden in Brandenburg geboren.

Das ist mehr als aus Schwaben?

Benn: Nur 75.000 Berliner kommen aus Baden-Württemberg. Aber ich glaube, der Kontrast zwischen Stadt und Land wird künstlich hochgeredet. Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen und Lebensstile, aber auch Konflikte. So treiben beispielsweise Berliner in Brandenburg die Immobilienpreise in die Höhe. Und einige Verdächtigungen stammen aus den 1990er Jahren, als die erste Welle westdeutscher Berater nicht alle einen positiven Eindruck hinterließ. Eine gewisse Skepsis wuchs.

Sommer: Auch die Hugenotten, die im 17. Jahrhundert vom preußischen König hierher gebracht wurden, hatten elegantere Kleidung und mehr handwerkliches Geschick, und es gab auch Ressentiments.

Benn: Aber die Konflikte werden sich irgendwann auflösen. Die Berliner, die heute nach Brandenburg kommen, kaufen ganz bewusst kein Haus in der Toskana. Die meisten wissen, dass Brandenburg eine eher raue und manchmal stumme Wärme ausstrahlt.

Sommer: Jeder hat seine Vorlieben. Die Großstadt ist oft zu unsicher, zu laut, und gerade für ältere Menschen fehlt es an Grün. Jüngere sehen das meist anders, da Berlin als Kult gilt. Wir sind also immer noch ratlos.

Herr Benn, Sie würden sich wahrscheinlich freuen, wenn nicht so viele Menschen nach Berlin kämen?

Benn: Mein Stadtteil hat heute 413.000 Einwohner, gegenüber 334.000 bei der Gründung vor zwanzig Jahren. Schulen und Parks, Radwege und Straßenbahnen: All das reicht weder hinten noch vorne. Es würde uns helfen, wenn mehr Menschen in die Umgebung ziehen würden.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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