Dienstag, Oktober 19, 2021
StartWIRTSCHAFTRede von Emmanuel Macron: Wie Frankreich 2030 aussehen soll

Rede von Emmanuel Macron: Wie Frankreich 2030 aussehen soll

- Anzeige -


Ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen stellte Emmanuel Macron seine Vorstellung von Frankreich im Jahr 2030 vor. Im Fokus stehen die Automobilindustrie, der Flugzeugbau und die Atomenergie.

In einer zweistündigen Rede vor Unternehmern im Elysée-Palast stellte der französische Präsident Emmanuel Macron am Morgen seine Vision der digitalen und grünen Transformation Frankreichs bis 2030 vor – und kündigte gleichzeitig ein detailliertes Ausgabenprogramm für die nächsten fünf Jahre an. Dabei handelt es sich um Investitionen in Höhe von 30 Milliarden Euro. Sie kommen zu dem 100 Milliarden Euro schweren Wiederaufbauplan hinzu, den Frankreich im vergangenen Jahr zur Bewältigung der Corona-Krise aufgelegt hat.

Größter Einzelposten des heute vorgelegten Plans ist die Dekarbonisierung der Wirtschaft mit acht Milliarden Euro. Als erstes Ziel nannte Macron Investitionen in neue Mini-Kernreaktoren (SMR – Small Modular Reactor), die sicherer sind. Aber auch für die bestehenden Atomkraftwerke fand das Staatsoberhaupt ungewöhnlich warme Worte. Er bezeichnete es als „Glücksfall“, dass Frankreich über zahlreiche Atomreaktoren verfügte, die 200.000 Menschen beschäftigten. Dadurch produziert das Land schon heute deutlich weniger Kohlendioxid als die meisten seiner Nachbarn. Tatsächlich stammen 70 Prozent des französischen Stroms aus den emissionsarmen Atomkraftwerken. Diese Besonderheit müsse gesichert und ausgebaut werden, so Macron. Dafür soll bis 2030 eine Milliarde Euro in die Industrie fließen – eine im Vergleich zu den Kosten für neue Kraftwerke eher bescheidene Summe.

Dennoch ist es das erste Mal seit Jahren, dass Frankreich Investitionen in Atomkraft angekündigt hat. Macron verfolgt bei diesem Thema seine häufig angewandte „sowohl“-Strategie, um keines der Lager zu entfremden: Er will in Atomkraft investieren, gleichzeitig sollen aber auch erneuerbare Energien ausgebaut werden. Frankreich hat sich verpflichtet, bis 2035 den Anteil der Kernenergie auf 50 Prozent zu senken, ein Dutzend alte Reaktoren stillzulegen und gleichzeitig erneuerbare Energien auszubauen. Daran werden die geplanten Minireaktoren wohl nichts ändern. Im Präsidentschaftswahlkampf könnten sie Macron jedoch helfen, gleichzeitig industriefreundlich und klimabewusst zu sein.

Das Thema Atomkraft wird in Frankreich auch mit Nationalstolz und Souveränität in Verbindung gebracht. Die Unabhängigkeit der Energieerzeugung – etwa von russischem Gas oder deutschem Kohlestrom – ist für Macron entscheidend. „Wir dürfen nie zu abhängig von einem Energieträger sein, der bei niedrigen Preisen attraktiv erscheint“, sagte er angesichts der steigenden Gaspreise kürzlich am Rande eines EU-Gipfels.

„Es gibt einige Bereiche, in denen wir als Franzosen und Europäer eine Führungsrolle einnehmen sollten“, betonte der Präsident, der im April nächsten Jahres für eine zweite Amtszeit antritt. Dazu gehört beispielsweise die Produktion von grünem Wasserstoff. Frankreich will nach dem Willen des Staatsoberhauptes bis 2030 der führende Hersteller dieses Energieträgers in Europa werden. Damit wird es auch der heimischen Industrie möglich, ihre CO2-Emissionen um 35 Prozent zu reduzieren.

Generell legt Macron großen Wert darauf, den Industriestandort Frankreich zu erhalten und auszubauen. „Wir müssen massiv in unser industrielles Angebot investieren“, sagte er heute in seiner Rede. Dazu gehört vor allem die Sicherung und der Ausbau der Automobilindustrie. Sie gehöre zusammen mit dem Flugzeugbau zum Kern der französischen Wirtschaft, „und das soll auch in Zukunft so bleiben“, sagte Macron. Vier Milliarden Euro will der Staat in diese beiden Sektoren investieren, die von den Flugzeugbauern Airbus und Dassault sowie den Autobauern Stellantis und Renault dominiert werden. Wie die Hilfen genau verteilt werden, sagte Macron nicht. Seine Hoffnung ist jedoch, dass Frankreich bis 2030 zwei Millionen Elektroautos produzieren wird.

Neben den „alten“ Branchen setzt Macron auch auf das Aufkommen neuer Branchen. Bis 2030 sollen mindestens 100 neue Standorte entstehen, die aus jungen Unternehmen, den Start-ups, entstehen. Dafür will das Staatsoberhaupt bis zu fünf Milliarden Euro bereitstellen, drei Milliarden davon sollen in die Verbesserung des Eigenkapitals fließen. Wir brauchen ein Land, das mehr produziert“, sagte Macron.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare