Montag, Dezember 6, 2021
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Risiken steigen Bundesbank besorgt über Immobilienpreise

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Die Preise für Wohnimmobilien steigen. Die Bundesbank beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Sie warnt davor, dass die Folgen von Korrekturen unterschätzt werden könnten. Die vielen langfristigen Kredite machten das System risikoanfällig.

Die Bundesbank warnt vor zunehmenden Gefahren auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Im Jahr 2020 seien die Preise für Wohnimmobilien mit durchschnittlich 6,7 Prozent erneut stark gestiegen und in vielen Fällen werde ein weiterer Anstieg erwartet, hieß es in seinem Bericht zur Finanzstabilität. Die Preise für Wohnimmobilien liegen mittlerweile 10 bis 30 Prozent über dem gerechtfertigten Niveau. „Dies ist zunehmend auch außerhalb der Ballungsräume der Fall“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch. Die Auswirkungen von Preisanpassungen könnten unterschätzt werden. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zukünftige Risiken zu vermeiden“, forderte sie.

Aus Sicht der Bundesbank können steigende Immobilienpreise kritisch für die Finanzstabilität werden, wenn mehr Kredite mit stark gelockerten Kreditvergabestandards vergeben werden und mit weiter steigenden Preisen zu rechnen ist. Im Falle einer Preiskorrektur könnten weitere Kredite unter Druck geraten. Fast 90 Prozent der Haushalte rechnen laut einer Umfrage mit weiter steigenden Immobilienpreisen.

Ein hoher Anteil langfristiger Kredite und Anlagen macht das Finanzsystem laut Bundesbank anfällig für Risiken, die sich aus einer Zinsänderung ergeben. Rund die Hälfte der Bankkredite für Wohnimmobilien haben eine Zinsbindung von mehr als zehn Jahren.

Laut KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib zeigt der Bundesbank-Bericht, dass die Entwicklung am Wohnungsmarkt sorgfältig beobachtet werden muss. „Für Panikmache ist kein Platz, aber in ganz Europa ist Vorsicht geboten“, stellte sie fest. „Die niedrigen Zinsen können Anleger, die nach Anlagemöglichkeiten suchen, dazu verleiten, größere Risiken einzugehen.“

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrem Bericht zur Finanzstabilität zuletzt auf zunehmende Risiken am Wohnimmobilienmarkt hingewiesen. Das Risiko von Preiskorrekturen hat sich insbesondere auf den Wohnimmobilienmärkten in Ländern erhöht, in denen die Bewertungen bereits vor der Krise erhöht waren.

„Die Pandemie ist noch nicht vorbei, es gibt Abwärtsrisiken in der Realwirtschaft“, sagte Bundesbank-Vizechef Buch. Insgesamt sei das Finanzsystem aber laut Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling ausreichend widerstandsfähig, um eine schwächere konjunkturelle Entwicklung verkraften zu können.

Die Deutsche Notenbank sieht die Lage in Deutschland wie vor zwei Jahren vor der Pandemie. Die Wirtschaft wächst, die Kreditvergabe nimmt zu und die Preise an den Finanzmärkten sind hoch. Das Gefahrenbewusstsein nimmt ab. Banken müssten in dieser Situation ein solides Risikomanagement betreiben und eine angemessene Kapitalausstattung sicherstellen.

Buch wies auch darauf hin, dass einige europäische Länder den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer bereits wieder genutzt haben. Dies ist ein von den Banken gefordertes zusätzliches Krisenpolster, das dazu dient, mögliche konjunkturelle Abschwünge abzufedern. „Auch in Deutschland sollte der Aufbau des antizyklischen Kapitalpuffers rechtzeitig wieder beginnen“, sagte sie.

Der Puffer wurde wegen der Corona-Krise auf 0,0 Prozent festgelegt, nachdem vor der Pandemie eine Erhöhung auf 0,25 Prozent geplant war. Die niederländische Notenbank hat bereits angekündigt, den Puffer nach Überwindung der Krisenfolgen schrittweise von null auf zwei Prozent zu erhöhen.

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