Sonntag, Oktober 17, 2021
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Runder Tisch: Mobilitätswende: Deshalb versteht sich der ÖPNV als Jobmotor

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DDer Verkehrssektor verursachte im Jahr 2020 rund 150 Millionen Tonnen CO2-Emissionen – laut Klimaziel sollen es 2030 nur noch 85 Millionen sein. Damit die dafür notwendige Mobilitätswende gelingen kann, muss mehr Geld in den öffentlichen Verkehr fließen. Dafür haben Kommunen und Verkehrsbetriebe bei einem Runden Tisch der FAZ in Kooperation mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Berlin stark geworben. Sie hoffen, in der laufenden Sondierungsphase von SPD, Grünen und FDP gehört zu werden. Um die Bedeutung der Branche zu untermauern, ließ sie einen Bericht über die wirtschaftlichen Auswirkungen des öffentlichen Verkehrs erstellen.

Das wichtigste Ergebnis: Busse, Straßenbahnen und Bahnen repräsentieren hierzulande nicht nur eine direkte Wertschöpfung von 21,7 Milliarden Euro. Der öffentliche Verkehr schafft mit seinen Investitionen Arbeitsplätze im Bauwesen. Gleichzeitig konsumierten die Mitarbeiter, so dass andere Wirtschaftszweige profitierten, erklärte Experte Thorsten Lehr. Insgesamt steht die Branche für eine Wertschöpfung von 67,4 Milliarden Euro. Dies entspreche der Wertschöpfung des Landes Brandenburg, betonte der Geschäftsführer der CONOSCOPE GmbH, die den Bericht mit dem KOWID-Verein aus Leipzig verfasste. Insgesamt verantwortet die Branche 930.200 Arbeitsplätze.

Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des VDV, betonte: „Es reicht nicht, nur zu sagen, dass wir mehr Geld brauchen.“ Die Verkehrswende steht in Konkurrenz zu vielen anderen Projekten der nächsten Bundesregierung. Als Beispiele nennt er die Aufgabengebiete der Bundeswehr, Pflege, Recht und Ordnung sowie Digitalisierung. Es geht zwar um große Geldsummen, aber das Einsparen einer Tonne Kohlendioxid im Wohnungsbau ist teurer als im Verkehr. „Es lohnt sich einfach, in diesen Bereich zu investieren.“ Das Geld versickert nicht.

Auch die Kölner Verkehrsbetriebe hoffen, dass der Bericht aufgeht. Die Mobilitätswende ist Teil der Klimapolitik. „Die Bundesregierung muss eingebunden werden“, sagte die Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks. Eine Möglichkeit, umzusteigen, sind maßgeschneiderte Angebote, wie zum Beispiel spezielle Tickets für zehn oder hundert Tage. Auch für den Kölner Raum wurde eine Mobilitäts-App entwickelt, damit Sie alle Angebote auf Ihrem Handy finden: nicht nur Busse und Bahnen, sondern auch Carsharing und E-Scooter. Dieser Antrag erstreckt sich jedoch nicht auf Düsseldorf. Ein grundsätzliches Problem besteht ihrer Meinung nach darin, dass konkurrierende Unternehmen nichts teilen wollen, wofür sie Geld ausgegeben haben. Letztlich geht es um die Souveränität über die Daten. Hier sei die öffentliche Hand gefordert, den Verkehr zu kontrollieren, sagte Haaks.

Uwe Zimmermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, warnte davor, die anstehenden Aufgaben zu eng zu betrachten. Dabei geht es nicht um eine günstigere Jahreskarte, sondern um bessere Transportmöglichkeiten als Alternative zum Auto. „Mit dem Elektroauto wird es nicht einfacher.“ Er selbst sagt, er sei nicht optimistisch, was die Entwicklung der Ladeinfrastruktur angeht. Er sieht nicht, dass in absehbarer Zeit so viele Säulen wie nötig aufgestellt werden können. Die Lösung ist daher der öffentliche Nahverkehr, nicht das Elektroauto.

Verena Göppert vom Deutschen Städtetag stellte den Link zu den aktuellen Sondierungsgesprächen in Berlin her. Sie äußerte die Hoffnung, dass die Studie auch die FDP überzeugen werde, die Investitionen in Busse und Bahnen für den Klimaschutz zu erhöhen. „Wenn Sie das wollen, müssen Sie mit mehr Geld reingehen“, betonte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Entscheidend ist, dass die Bevölkerung im übertragenen Sinne mitgenommen wird. Man sollte den Parkplatz nicht reduzieren, sondern attraktive Angebote im öffentlichen Personennahverkehr schaffen.

Die Mobilitätswende darf den Güterverkehr nicht ignorieren. Es ist schon lange ein politisches Ziel, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen. „Im Schienengüterverkehr gab es während der Pandemie eine kleine Delle“, berichtet Harald Kreft, Mitglied der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority und ebenfalls verantwortlich für die Hafenbahn. Er spricht von einem großen Investitionsbedarf. „Mit dem richtigen Geldfluss, aber auch mit den richtigen Rahmenbedingungen kann ich den Verkehr richtig lenken.“

Natürlich hat auch der Verkehrsverbund den passenden Bericht zur Hand. Demnach werden 38 Milliarden Euro benötigt, um den Schienengüterverkehr bis zum Ende des Jahrzehnts zu stärken, wie es die Bundesregierung als Ziel formuliert hat. Das sind 17 Milliarden mehr, als eine Aktualisierung der Finanzplanung ergeben würde, heißt es in dem Papier des VDV und des Beratungsunternehmens Roland Berger.

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