Donnerstag, Januar 20, 2022
StartWIRTSCHAFTTelefonmarketing: Werbeanrufe sorgen für Ärger

Telefonmarketing: Werbeanrufe sorgen für Ärger

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Noch nie gab es so viele Beschwerden über unerwünschte Telefonwerbung wie im vergangenen Jahr. Für die angezeigten Unternehmen könnten Anrufe mit unterdrückten Nummern in Zukunft noch teurer werden.

Beschwerden über unerwünschte Telemarketing-Anrufe erreichten im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand. Bei der Bundesnetzagentur gingen 79.702 Beschwerden wegen unerlaubter Telefonwerbung ein. Das sind rund 26 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Bonner Behörde mitteilte. Bei den unerwünschten Werbeanrufen ging es hauptsächlich um Versicherungen, Finanzprodukte und Energieverträge. Auch Werbung für Gewinnspiele und Zeitschriftenabonnements verärgerte die Verbraucher.

Die Bundesnetzagentur geht den Beschwerden nach und kann auch Bußgelder gegen die werbenden Unternehmen verhängen. Im vergangenen Jahr mussten Unternehmen insgesamt 1,4 Millionen Euro an Bußgeldern zahlen. Künftig könnten diese Strafen noch härter ausfallen, denn im vergangenen Dezember wurde die Bandbreite der Bußgelder bei Rufnummernunterdrückung erhöht: Statt der bisherigen Höchststrafe von 10.000 Euro können nun Bußgelder bis zu 300.000 Euro verhängt werden.

Telefonwerbung ist nur zulässig, wenn der Verbraucher zuvor zugestimmt hat. Die Rufnummer muss übermittelt werden. Jochen Homann, Leiter der Bundesnetzagentur, sagte: „Wir gehen weiter gegen Unternehmen vor, die unerlaubte Telefonwerbung betreiben.“ Die Täter würden „mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln“ verfolgt. Werbeanrufe mit unterdrückter Nummer seien „inakzeptabel“. Die Bundesnetzagentur teilte mit, dass diese Anrufe ohne Rufnummer im Display im vergangenen Jahr besonders häufig seien. Auffällig war auch, dass einige Werbetreibende unterschiedliche Telefonnummern verwendeten.

Im vergangenen Jahr hatte die Behörde deutlich mehr Beschwerden über unerwünschte Telefonwerbung registriert. Allerdings ist der Trend nicht eindeutig, da es bereits zuvor einen Rückgang gegeben hatte. Wie groß das Problem tatsächlich ist, lässt sich nicht verlässlich feststellen, da die Beschwerden der einzige Anhaltspunkt für die Bundesnetzagentur sind.

In der Politik wurde die hohe Zahl der Beschwerden mit Sorge zur Kenntnis genommen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben wies darauf hin, dass oft auf Festnetznummern telefoniert werde, die im Telefonbuch stehen: „Das ist ein großes Problem für ältere Menschen, die noch viel Festnetztelefon nutzen.“ Er appellierte an die Netzagentur, mit aller Härte gegen die Unternehmen vorzugehen. Die im verschärften Gesetz vorgesehenen Möglichkeiten „sollten auch in diesem Jahr zu deutlich höheren Bußgeldern führen, wenn die aufdringlichen Werbeunternehmen einfach so weitermachen wie bisher“.

Auch die Bundesnetzagentur registrierte vermehrt Beschwerden über betrügerische SMS und die sogenannte „Smishing“-Betrugsmasche. Das Ziel von „Smishing“ ist es, Verbraucher dazu zu bringen, auf einen Link zu klicken und dann unwissentlich Malware herunterzuladen. Die Bundesnetzagentur reagierte und ließ unter anderem 1110-Nummern wegen Missbrauchs abschalten.

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