Dienstag, Oktober 26, 2021
StartWIRTSCHAFTTeslas Fabrikeröffnung Musk überrascht mit Gigabier und Rambazamba

Teslas Fabrikeröffnung Musk überrascht mit Gigabier und Rambazamba

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Tesla-Chef Musk hat die neue Fabrik im brandenburgischen Grünheide mit einer riesigen Party eingeweiht. In seiner kurzen Rede spricht er Deutsch, verrät Details über die Fabrik und kündigt sogar seine eigene Biersorte an. Unterdessen protestieren Naturschützer vor den Toren.

Es war die wohl exklusivste Party, die Grünheide seit langem hatte: Der US-Autobauer Tesla lud am Samstag fast 9.000 Gäste zum Tag der offenen Tür seines neuen Werks ein. Deutlich mehr hatten sich zuvor über die Loslotterie beworben. Aber auch die großen Tech-Blogger und etablierten Medienunternehmen erhielten keine Einladungen zum „Gigafest“.

Die sogenannte Gigafactory vor den Toren Berlins ist die erste und bislang einzige große Tesla-Fabrik in Europa. Rund 12.000 Mitarbeiter sollen hier jährlich bis zu 500.000 Elektroautos bauen. Tesla hatte die Anlage in weniger als zwei Jahren in Betrieb genommen. Und auf eigene Gefahr. Eine endgültige Baugenehmigung liegt noch nicht vor. Wer eine Einladung zur Einweihungsparty ergattern konnte, konnte eine aufwendig inszenierte Messe mit anschließendem Rave erleben: Tesla ließ sich unter anderem ein Riesenrad, Autoscooter und verkleidete Schausteller ausdenken. Kinder könnten Batteriezellen kneten, Autoteile lackieren oder ein Tesla-Bobbycar fahren.

Zahlreiche Mitarbeiter tummelten sich auf dem Gelände. Viele Tesla-Manager haben sich selbst engagiert. „Normalerweise arbeite ich als Ingenieur in der Zellfertigung“, sagt ein junger Mann, der Souvenirmarken für Besucher herausgab. Einige Kollegen halfen auch an der Bar oder bei der Ticketkontrolle. Eine Kinderbetreuerin sagte, sie sei eigentlich Informatikerin im Unternehmen.

Für die älteren Besucher dürfte die Probefahrt mit dem Model Y und die Werksbesichtigung besonders interessant gewesen sein. Während des einstündigen Rundgangs durch die Werkshallen konnten die Besucher unter anderem die Roboterlinie für den Karosseriebau, das Presswerk und die Gießerei besichtigen. Der Blick in die Lackiererei, die Firmenchef Elon Musk zuvor als „die fortschrittlichste Lackiererei der Welt“ angepriesen hatte, beschränkte sich auf ein Video. Kurz vor 18 Uhr betrat Elon Musk persönlich die Bühne.

Für seinen Auftritt hatte er eine etwa fünfminütige Rede auf Deutsch vorbereitet, die er etwas zögernd von einem Smartphone las. „Vielen Dank an alle Unterstützer von Gigaberlin Brandenburg. Diese Party ist für euch“, rief der Tesla-Chef in die klatschende Menge. „Do Rambazamba für den Rest des Abends. Berlin-Brandenburg rockt!“ In der anschließenden Frage-und-Antwort-Runde mit dem Publikum verriet Musk neue Details zum Zeitplan der Gigafactory. Die Produktion soll noch dieses Jahr starten. „Im Grunde November oder Dezember“, sagte Musk.

Die ersten Autos könnten vielleicht schon im Dezember ausgeliefert werden. Der Start der Großserienfertigung ist für Ende 2022 geplant. Pro Woche sollen dann rund 5000 bis 10.000 Neuwagen vom Band rollen. Langfristig werde die Fabrik zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben, versprach er. Dazu sollen unter anderem Sonnenkollektoren auf dem Dach installiert werden. Die Fassade der Fabrik wird von lokalen Graffiti-Künstlern gestaltet. Außerdem ist auf dem Gelände ein eigener Bahnhof geplant, der das Werk mit Berlin verbinden soll. Außerdem wird es einen Kindergarten für den Nachwuchs der Werksmitarbeiter geben.

Musk erwähnte bei seinem Auftritt beiläufig die größte Neuigkeit für eingefleischte Tesla-Fans. Der Unternehmer kündigte sein eigenes Firmenbier an – das „Gigabier“. Weitere Details verriet er nicht. Auf einem eingeblendeten Foto waren nur flaschenähnliche Flaschen mit dem blauen Tesla-Logo zu sehen.

Nach der Show tanzten die Tesla-Fans zu „High Tech Minimal“ des deutschen DJs Boris Brejcha, der wie gewohnt unter venezianischer Maske auftrat. Ein Vorgeschmack auf Musks Musikpläne? Im vergangenen Jahr kündigte der geheimnisliebende Unternehmer einen unterirdischen Rave-Keller auf dem Gelände an. Die Musk Show in Grünheide gefiel jedoch nicht jedem.

Nur wenige hundert Meter von der großen Bühne, direkt am Eingang zur Teslastraße, hatten Fabrikgegner einen Infostand aufgebaut und Transparente aufgehängt. Einer von ihnen las in Großbuchstaben: „Der Raubbau an Natur und Grundwasser sofort stoppen!“ Unter den etwa Dutzend Demonstranten war Frank Hundertmark von der Bürgerinitiative Grünheide. Er befürchtet, dass die Fabrik das Trinkwasser in seiner Heimat knapp machen könnte. „Ich finde es für zukünftige Generationen unverantwortlich, hier im Wasserschutzgebiet eine Anlage im Namen des Klimaschutzes zu bauen“, sagte Hundertmark.

Mit seinen Befürchtungen ist er nicht allein: Der Chef des örtlichen Wasserverbandes WSE, André Bähler, warnte kürzlich im „Spiegel“ vor einer drohenden Versorgungsknappheit. In der Endausbaustufe wird die große Tesla-Fabrik nach seinen Berechnungen fast so viel Wasser verbrauchen wie eine 100.000-Einwohner-Stadt. Während Hundertmark, seine Kollegen und potenziell kritische Reporter vor den Werkstoren standen, hatte die Tesla-freundliche Initiative Grünheide Network hingegen einen Stand auf dem Gelände.

Auch Tobias Lindh gehört dem Verein an. Der 38-jährige Webdesigner beobachtet die Gigafabrik, seit hier vor mehr als einem Jahr die ersten Bagger und Zementmaschinen auftauchten. Zweimal wöchentlich fährt der Hobbyfilmer zur Baustelle, um mit seiner Drohne den Fortschritt zu dokumentieren. Ihm folgen mittlerweile Tausende Tesla-Fans aus aller Welt in den sozialen Medien. „Es ist erstaunlich, was hier seit meinem ersten Waldspaziergang passiert ist“, sagte Lindh. Tesla baut auf eigene Gefahr. Bisher wurde auf Basis von Vorabgenehmigungen gearbeitet. Die endgültige Freigabe durch das Werk steht noch aus. Lindh setzt darauf, dass sich die Fabrik zu einem Jobmotor entwickelt.

„Die Industriejobs werden der Region gut tun“, sagte er am Samstag. „Nach dem Mauerfall ist viel hierher gewandert.“ Dies würde insbesondere für die jüngere Generation neue Perspektiven schaffen. „Viele wachsen hier auf, gehen zum Studieren nach Berlin und ziehen dann zum Arbeiten nach Süddeutschland.“ Das könnte sich jetzt mit der Gigafabrik ändern. Elon Musk kündigte am Samstag 12.000 Stellen an. „Ich mache mir ein bisschen Sorgen, dass wir nicht genug Leute finden“, sagte er. Insofern kann das Gigafest in Grünheide auch als Imagepolitur für Tesla als Arbeitgeber gesehen werden.

Dieser Artikel wurde zuerst von „Capital“ veröffentlicht.

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