Dienstag, Oktober 26, 2021
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Textilhersteller aus NRW: Der Stoff für den Siegesbogen

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Das Wort „undenkbar“ existierte für Christo und Jeanne-Claude offenbar nicht – oder wer hätte sich vorstellen können, mit Stoff bespannte Inseln und Landmarken sinnlich neu zu entdecken? Christos Kunst schafft eine andere Sicht auf die Welt. Es vermittelt die Botschaft, dass reale Dinge neue Empfindungen ermöglichen. Vor Christos Tod 2020 wählten Jeanne-Claude und Christo noch einmal ein weltberühmtes Gebäude, das sie in einer fünften Zusammenarbeit mit dem Material der Nomaden neu erleben wollten – mit Stoff: den Arc de Triomphe de l’Étoile. Der Triumphbogen in Paris soll an die „Grande Nation“ Napoleon erinnern.

Von Mitte September bis Anfang Oktober bestaunten viele Besucher das verschleierte Gebäude. Sie werden die Farben genossen haben, wenn die Sonne den Stoff um den 50 Meter hohen Bogen zum Leuchten gebracht hat, wenn die Textur des 25.000 Quadratmeter großen Stoffes die Kraft des Windes in wogenden Bewegungen gezeigt hat.

1995 umhüllte Christo den Reichstag in Berlin mit Stoffen der Firma Schilgen in Emsdetten. Der Geschäftskontakt blieb bestehen, 2013 wurde Schilgen von der Setex GmbH übernommen und in Setex-Textil-GmbH mit Sitz in Greven umbenannt. 2016 faszinierte das dahliengelbe Polyamidgewebe für die begehbaren „schwimmenden Piers“ auf dem Iseosee in Italien die Weltöffentlichkeit, wie der Geschäftsführer der Setex GmbH, Konrad Schröer, berichtet.

„Das Textilunternehmen Setex-Textil-GmbH ist ein klassisches vollwertiges Textilunternehmen, das heißt, alle Produktionsschritte – Spinnen, Weben, Veredeln, Konfektionieren – werden im Unternehmen selbst und größtenteils im Münsterland durchgeführt.“ sagt Schröer. Es gibt einen zweiten Standort im Münsterland, in Bocholt, eine Niederlassung im französischen Mulhouse und ein Werk im polnischen Lubawka mit 350 Mitarbeitern. Der Gesamtjahresumsatz beträgt nach Angaben des Geschäftsführers 100 Millionen Euro. Es beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter.

Rund 250.000 Euro für die neue Kleidung auf den Inseln des Iseosees mögen zwar klein erscheinen, tragen aber maßgeblich zur Bekanntheit der Setex Group bei, wie Schröer betont. Für die Umhüllung des Arc de Triomphe wurden insgesamt 12 Millionen Euro veranschlagt.

Die Firma geo – die Luftwerker aus Lübeck arbeite seit 2011 Hand in Hand mit Setex an den Christo-Projekten, sagt Geo-Sprecher Felix Dickenberger. Setex liefert den Stoff an geo, der ihn weiter näht, erklärt Dickenberger. „Der Stoff, mit dem der Arc de Triomphe bezogen wurde, ist außen silbrig und innen bläulich.“

Setex verkauft ansonsten flammhemmende Stoffe, die für Feuerwehruniformen und Theatervorhänge verwendet werden. Arbeitsabläufe und Qualität werden ständig verbessert. Sonst könnte es im Herzen Europas kein Textilunternehmen mehr geben. Doch Setex wurde von der Corona-Pandemie getroffen. Es gab keine Veranstaltungen oder Konferenzen mehr. „Der Umsatz ist um rund 10 Prozent gesunken.“ Neben der Pandemie sei der Wettbewerbsdruck von Anbietern aus der Türkei und Asien eine große Herausforderung, sagt Schröer.

Sie blieben jedoch trotz hoher Arbeitskosten in Deutschland. Das bringt auch Vorteile, zum Beispiel eine einfachere Kommunikation im Unternehmen. Zudem begünstigt der Standort eine nachhaltige Produktion. Alle Produkte und Stoffe sind OEKO-TEX zertifiziert, auch die Stoffe für die Christo-Projekte. Es wird jedoch nur einmal verwendet und dann recycelt; Das wollte der Künstler. Schröer berichtet, dass „der Stoff nach dem Projekt nicht verkauft wird, obwohl dies unglaublich viel Geld bringen würde“.

Laut Schröer finanzierten die Künstler ihre Projekte selbst. Der unternehmerisch denkende Geschäftsführer ist beeindruckt, dass Christo und Jeanne-Claude auf öffentliche Zuschüsse verzichtet und das Kunstobjekt allein durch den Verkauf von Vorstudien und Zeichnungen sowie früheren Werken finanziert hätten.

Der Artikel stammt aus dem Schulprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die FAZ gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken organisiert.

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