Montag, November 29, 2021
StartWIRTSCHAFTTransportdienstleister Didi: Peking will Tech-Unternehmen offenbar zum Rückzug von der Börse zwingen

Transportdienstleister Didi: Peking will Tech-Unternehmen offenbar zum Rückzug von der Börse zwingen

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DDies wäre der bisher heftigste Schlag in der seit über einem Jahr andauernden Kampagne der chinesischen Regierung gegen die heimische Internetindustrie: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ist der chinesische Verkehrsdienst Didi, der an der New Yorker Stock Exchange (NYSE) hatte im Sommer 4,4 Milliarden Dollar von Investoren aufgebracht, um die Börse auf Anordnung Pekings zu verlassen.

Nach seinem Börsengang am 30. Juni wurde Didi mit 68 Milliarden Dollar bewertet – rund 13 Milliarden Dollar weniger, als sein amerikanischer Konkurrent Uber derzeit am Kapitalmarkt wert ist. Die Kommunistische Partei Chinas, die einen Tag später ihr 100-jähriges Bestehen feierte, fand den Erfolg des Pekinger Technologieunternehmens nicht zu feiern.

Angeblich hatten Aufsichtsbehörden zuvor Bedenken geäußert, dass ein Börsengang in den USA der amerikanischen Regierung Zugang zu Daten über Passagiere, Zielorte und Videoaufzeichnungen von Didi-Taxis in China verschaffen könnte. Didi hätte den Warnungen nicht viel Aufmerksamkeit schenken sollen. Zwei Tage nach dem Börsengang verbot die chinesische Regierung dem Dienst jegliches Neugeschäft und ließ die Didi-App aus den App-Stores in China löschen, woraufhin der Aktienkurs des neu an der NYSE notierten Unternehmens einbrach.

Regierungsbeamte verschiedener Behörden und Ministerien betraten später die Firmenzentrale, um die „Cybersicherheit“ von Didis Geschäft zu untersuchen. In China gab es Spekulationen, dass dem Unternehmen eine „beispiellose Strafe“ droht.

Dieser könnte laut „Bloomberg“-Bericht sogar noch höher ausfallen als erwartet. Demnach hatten führende Manager des Konzerns von den Aufsichtsbehörden den Auftrag erhalten, einen Plan für ein Delisting von der New Yorker Börse zu erarbeiten. Anlegern sollten daher für einen Rückkauf mindestens 14 Dollar je Aktie angeboten werden, der Ausgabepreis beim Börsengang. Denkbar ist aber auch, das Unternehmen nach einem Delisting in New York wieder an der Hongkonger Börse notieren zu lassen.

Die Kapitalmärkte in Asien reagierten prompt auf die Meldung am Freitagmorgen. An der Tokioter Börse verlor die Aktie des Mischkonzerns Softbank, der mehr als 20 Prozent an Didi hält, bis zum frühen Nachmittag 5 Prozent. Da Investoren das Vorgehen gegen Didi als weiteren Schlag für Chinas Technologiebranche insgesamt interpretieren, verloren auch die anderen großen Internetunternehmen des Landes.

Der Aktienkurs von Tencent an der Hongkonger Börse fiel bis zum Nachmittag um mehr als 3 Prozent. Auch die Aktien von Alibaba verloren ähnlich viel. Meituan, ein Lieferservice, der über 1.000 chinesische Gerichte bestellen kann, ging sogar um mehr als 4 Prozent zurück.

Tatsächlich gehen die meisten Beobachter davon aus, dass die Kampagne der chinesischen Regierung zur Regulierung der bis vor kurzem extrem mächtigen und komplett in Privatbesitz befindlichen Technologiekonzerne noch lange nicht abgeschlossen ist und gerade erst Fahrt aufnimmt. Über die Gründe, warum Peking in Kauf nimmt, dass die erfolgreichen Unternehmen immensen Wert verlieren und durch die harten staatlichen Eingriffe regelrecht verstümmelt werden, kann nur spekuliert werden, da aus der ausschließlich im Geheimen agierenden Führung so gut wie nichts durchsickert.

Aus Reden des Staatschefs Xi Jinping, Leitartikeln in der Parteipresse und dem im Frühjahr vorgelegten Fünfjahresplan der Regierung lässt sich jedoch ableiten, dass der Einfluss der Internetkonzerne auf den Alltag der 1,4 Milliarden Chinesen inzwischen gewachsen ist zu groß für die KP und dass die Unternehmen unter die faktische Kontrolle des Staates gebracht werden sollen. Zudem investieren die Tech-Anbieter laut Xis in die falschen Bereiche.

Dass die Innovationskraft von Alibaba, Didi & Co. bislang Geschäftsmodelle hervorgebracht hat, mit denen die Unternehmen am Konsum chinesischer Verbraucher Geld verdienen, ist dem Staatschef offensichtlich widersprüchlich. Xi möchte jedoch, dass die Technologieunternehmen Hardware wie Halbleiter entwickeln. Da China noch keine wettbewerbsfähigen Hochleistungschips herstellen kann, muss es diese unter anderem aus den USA beziehen.

Im Fall des Smartphone-Herstellers Huawei, den Washington von amerikanischen Chips abgeschnitten hat, hat dies die Verwundbarkeit der Volksrepublik während des Handelskrieges deutlich gemacht. Um Autarkie zu erreichen, hat die Partei deshalb den Plan für einen „Doppelzyklus“ aufgestellt. Dies bedeutet, dass der chinesische Staat und die Privatwirtschaft in einer gemeinsamen nationalen Anstrengung weltweit führende Hochtechnologie entwickeln sollten.

Wie die privaten Internetkonzerne auf die Parteilinie zu bringen sind, begann Peking im Herbst vergangenen Jahres zu zeigen. Damals hatte sie den Börsengang des Finanzdienstleisters Ant Financial fast in letzter Minute abgesagt, nachdem Gründer Jack Ma die Regierung öffentlich wegen zu strenger Regulierung kritisiert hatte. Der Aktienkurs des Ant-Mutterkonzerns Alibaba hat inzwischen 56 Prozent seines Wertes verloren. Die Aktien des Spieleentwicklers Tencent, dem die Partei im Frühjahr vorwarf, die chinesische Jugend zu verdummen, sind seitdem wie Alibaba und andere Internetkonzerne um fast 40 Prozent gefallen.

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