Mittwoch, Oktober 27, 2021
StartWIRTSCHAFTTrotz Manipulationsvorwürfen: IWF-Chef darf bleiben

Trotz Manipulationsvorwürfen: IWF-Chef darf bleiben

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Ihr wurde vorgeworfen, einen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zugunsten Chinas manipuliert zu haben. Der Exekutivrat stand dennoch hinter IWF-Chefin Kristalina Georgieva.

Der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) trat achtmal zusammen und hat der Direktorin Kristalina Georgiewa nun sein „volles Vertrauen“ ausgesprochen. Das sagte das Gremium gestern Abend. Der 24-köpfige Exekutivrat, in dem die IWF-Mitgliedstaaten und Aktionäre vertreten sind, diskutierte zuletzt am Freitag, Sonntag und gestern in den Abend hinein über die Vorwürfe gegen Georgiewa.

Georgieva wurde vorgeworfen, in ihrer bisherigen Spitzenposition bei der Weltbank ein wichtiges Länderranking zugunsten Chinas beeinflusst zu haben. 2017 soll sie Druck auf Mitarbeiter ausgeübt haben, um zu verhindern, dass China im „Doing Business“-Ranking der Weltbank abrutscht, wie eine Untersuchung einer von der Weltbank beauftragten Anwaltskanzlei im September ergab. Nach den Veränderungen konnte China den 78. Platz halten – ohne das Eingreifen des Managements wäre das Land auf Platz 85 abgerutscht. Der 68-jährige Bulgare, ehemaliger EU-Kommissar, steht seit zwei Jahren an der Spitze des IWF. Sie hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Mitarbeiter des damaligen Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim und Georgiewa wollten einem Untersuchungsbericht zufolge Peking wegen einer bevorstehenden wichtigen Kapitalerhöhung für die Weltbank nicht abschrecken. Nach der Änderung der Daten soll Georgieva dem zuständigen Referatsleiter gedankt haben, dass er einen Beitrag zum Multilateralismus geleistet habe. Bei der Einschätzung des Geschäftsklimas in anderen Ländern soll der Bericht teilweise Unregelmäßigkeiten enthalten haben.

US-Finanzministerin Janet Yellen, die den größten Aktionär des IWF vertritt, sagte, sie habe mit Georgieva über die schweren Vorwürfe gesprochen. Ohne weitere direkte Beweise für die Rolle Georgiens sehen die USA „keine Grundlage für einen Wechsel in der Führung des IWF“.

Für die in Washington ansässigen Organisationen gehört das unabhängige und unpolitische Sammeln und Zusammenstellen internationaler Daten zu ihrem Kerngeschäft. Die Daten der Organisationen sind oft auch Grundlage für weitreichende Entscheidungen, zum Beispiel wenn es um Hilfsgelder geht. Die Weltbank hat nun angekündigt, das vielzitierte Ranking abzuschaffen. Die angebliche Manipulation von Daten ist ein schwerer Vorwurf für die Weltbank und den IWF.

Die Spekulationen dürften jedoch nicht ohne Folgen bleiben. Vor allem die USA wollen „proaktive Schritte“ unternehmen, „um die Integrität der Datenerhebung und die Glaubwürdigkeit des IWF zu stärken“, wie Yellen sagte. Das Finanzministerium wird die Bearbeitung aufmerksam verfolgen.

Die Entscheidung, an der Spitze des IWF festzuhalten, entlastet nun auch den Druck einer laufenden Jahressitzung von IWF und Weltbank. Das Treffen von Finanzministern, Notenbankern und Vertretern des Finanzsektors und der Entwicklungszusammenarbeit findet diese Woche statt – wegen der Pandemie allerdings nur teilweise in Washington. Georgiewa beispielsweise hat gestern bereits eine Veranstaltung mit UN-Generalsekretär António Guterres moderiert.

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