Sonntag, Oktober 17, 2021
StartWIRTSCHAFTUmschlag in wichtigen Häfen Ungeduldige Schiffe verursachen Mangelware

Umschlag in wichtigen Häfen Ungeduldige Schiffe verursachen Mangelware

- Anzeige -


Schuhe, Möbel, elektronische Geräte – viele Konsumgüter brauchen derzeit ewig von der Fabrik in Asien bis in die europäischen Läden. Teilweise fast doppelt so lange wie vor der Corona-Krise. Das Problem sei der Schiffsverkehr, sagt ein Ökonom im ntv-Podcast „Wieder wurde gelernt“.

CO2, LKW-Fahrer, Spielzeug, Erdgas, Wind, Bücher, Clowns, Kaffee, Frachtcontainer, Geimpfte und natürlich Computerchips für Autos, Konsolen und andere Elektronik. Die globale Lieferkette sackt ab, es fühlt sich überall an, als ob Waren knapp werden. „Eine Situation, die es noch nie gegeben hat“, sagt Wan-Hsin Liu vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Weil es noch nie eine Krise wie die Corona-Krise gegeben hat.“

Als Hauptursache für die Probleme nennt der Ökonom die Schifffahrt, geschlossene Häfen in China senden weltweit Schockwellen. „Die Jüngsten waren im Mai und August“, sagt Liu. „Im Mai war Yantian in der Nähe von Shenzhen betroffen, wo hauptsächlich elektronische Produkte wie Handys, Computer usw. hergestellt und in die Welt geliefert werden.“

China ist die Fabrik der Welt. Das Smartphone, Kleidung, Möbel und Maschinen – alles wird im Reich der Mitte zusammengestellt und von dort nach Europa oder Nordamerika verschickt. Am liebsten auf See liegen an der chinesischen Küste sieben der zehn größten Containerhäfen der Welt. Nach dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft im ersten Corona-Jahr müssen sie aktuell einer erhöhten Nachfrage gerecht werden. Wenn dann einzelne Terminals wegen eines Corona-Ausbruchs geschlossen werden, geht nichts mehr. Die Frachtschiffe stehen vor oder in den Häfen im Verkehr und müssen warten.

Denn viele Kapitäne tun das, was fast alle tun, wenn sie im Stau stehen: Sie versuchen, dem Problem auszuweichen und hoffen, dass es ihnen hilft, schneller voranzukommen. Für die Schifffahrt bedeutet dies, dass die Frachter einfach andere Häfen ansteuern.

Zum Beispiel im August, als der Hafen von Ningbo-Zhoushan von einem Corona-Ausbruch heimgesucht wurde. „Das ist in der Nähe von Shanghai“, sagt der Handelsexperte. Einige Reedereien brachten ihre Waren dann per Bahn oder Lkw in die chinesische Metropole. „Es hat auch einen Hafen, aber natürlich hat jeder Hafen seine Kapazitäten und die sind meist schon ausgelastet. Und wenn er schon ausgelastet ist, bringt diese Planänderung alles durcheinander.“

Es ist wie mit dem Zug, erklärt der Ökonom. Bleibt ein Zug im Bahnhof stecken, gerät der gesamte Fahrplan durcheinander. „Die Schiffe, die plötzlich einen anderen Hafen ansteuern, brauchen nicht nur eine Anlegestelle. Der Hafenbetreiber muss auch Personal von anderen Schiffen abziehen, um die Container zu beladen und Papiere zu kontrollieren und so weiter. Andere Frachter schauen in die Röhre: Sie können vom Pusher nicht verarbeitet werden und werden auch verzögert.

„Wenn man erst acht Tage in Korea warten muss, dann eine Woche in China und dann noch ein paar Tage in Singapur – und dann vor Rotterdam nicht mehr weiter kommt, bekommt man das Schiff natürlich nie rechtzeitig zurück, “, beschrieb Rolf Hansen, der Chef der Reederei Hapag Lloyd, das Problem im September. Es ist unvermeidlich, dass Sie den einen oder anderen Hafen oder gar eine ganze Fahrt überspringen müssen – und damit viele Produkte am anderen Ende der Welt lassen.

Es ist eine Spirale, die dazu geführt hat, dass mittlerweile zwei von drei deutschen Fertigungsunternehmen sagen: Engpässe behindern unsere Produktion. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des ifo Instituts für Weltwirtschaft. Die Autoindustrie leidet am meisten. Ähnliches gilt für Maschinenbauer und die chemische Industrie. Sogar ein Drittel der Getränkeindustrie gibt an, betroffen zu sein. „Die Lieferengpässe sind ein branchenübergreifendes Problem“, sagt Ökonom Liu. „Manchmal mehr, manchmal weniger.“

Endverbraucher merken die Krise unter anderem daran, dass neue Sneaker von Nike aktuell 80 Tage brauchen, um es von der Fabrik in Asien bis zu einem Schuhgeschäft in den USA oder Europa zu schaffen – doppelt so lange wie vor der Corona-Krise. Oder die Tatsache, dass Amazon bereits die ersten Black Friday-ähnlichen Angebote umstellt – damit man Feiertage wie Thanksgiving und die Vorweihnachtszeit entspannt genießen kann, wie Amazon schreibt. Amerikanische Medien vermuten, dass die bestellte Ware rechtzeitig zum eigentlichen Black Friday in sechs Wochen – am 26. November – bei den Kunden eintrifft.

Wer an Weihnachten nicht mit leeren Händen dastehen möchte, sollte sich lieber heute als morgen überlegen, was er seinen Liebsten schenken kann. Denn neue Schocks sind jederzeit möglich.

„Vieles hängt von der Pandemie ab“, sagt Handelsexperte Liu. „Wir sehen es in Deutschland, die Maßnahmen sind durch die hohe Impfrate gelockert worden. China hat aber eine Null-Toleranz-Politik. Das heißt, ein einzelner Corona-Fall kann theoretisch dazu führen, dass sie bestimmte Häfen, bestimmte Gebiete und Fabriken schließen.“

Nachdem andere Pazifikstaaten wie Australien, Neuseeland und Singapur durch die Delta-Variante gezwungen wurden, ihre Null-Covid-Strategie aufzugeben, ist China das einzige Land, das noch selbst kleinste Ausbrüche mit dem Hammer bekämpft – obwohl drei Viertel der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Erst wenn Peking diese Strategie aufgibt, kann die Schifffahrt wieder planmäßig verlaufen.

Die gute Nachricht ist: Experten wie Wan-Hsin Liu glauben, das Schlimmste sei überstanden und die Lage werde sich langsam aber sicher entspannen. Denn je mehr Menschen auf der ganzen Welt geimpft sind, desto unwahrscheinlicher sind größere Ausbrüche und neue Sperren. Hapag-Lloyd-Chef Habben Jansen geht davon aus, dass sich die Lage im Februar normalisiert hat.

Aber das ist keine Hilfe für Weihnachten. Wenn Sie nicht mit leeren Händen dastehen möchten, fragen Sie am besten nach einer Wunschliste.



ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare