Sonntag, Oktober 17, 2021
StartWIRTSCHAFTUnternehmensbefragung: Größtes Risiko: Fachkräftemangel

Unternehmensbefragung: Größtes Risiko: Fachkräftemangel

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Die Personalsuche wird für deutsche Unternehmen immer schwieriger. Der Fachkräftemangel ist laut einer Studie mittlerweile das größte Risiko – noch vor steigenden Rohstoff- und Energiekosten.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte wird der Versuch, qualifiziertes Personal zu finden, zum größten Problem deutscher Unternehmen. „Der Fachkräftemangel ist mittlerweile das wichtigste Risiko für Unternehmen, gefolgt von steigenden Rohstoffkosten, steigenden Regulierungs- und Energiekosten“, schreibt Chefvolkswirt Alexander Börsch in der heute veröffentlichten Studie.

Die Berater befragten im September 158 CFOs deutscher Unternehmen. Zwei Drittel nannten den Fachkräftemangel als hohes Risiko. „Das bedeutet, dass die angespannten Arbeitsmärkte die Unternehmen zurückhalten“, sagte Börsch. „Der Fachkräftemangel zieht sich durch alle Branchen.“

Am stärksten leidet die Baubranche, wo die schwierige Suche laut Deloitte fast drei Viertel der Unternehmen betrifft. „Neben Materialengpässen wird der Fachkräftemangel zunehmend zum Problem für die Bauwirtschaft“, bestätigte das ifo Institut kürzlich. Laut einer Umfrage der Münchner Forscher hatte im September jedes dritte Hochbauunternehmen Probleme, Fachkräfte zu finden. Im Bauingenieurwesen klagten sogar 38 Prozent über den Mangel an geeigneten Bewerbern.

Auch die Logistikbranche beklagt einen Mangel an Lkw-Fahrern. 35.000 Fahrer kündigen jährlich ihren Arbeitsplatz, nur 15.000 werden in Deutschland neu ausgebildet. Erste Stimmen warnen nun davor, dass in den kommenden Jahren ähnliche Szenarien wie in Großbritannien drohen könnten. Strenge Visabestimmungen hatten dort zu einem eklatanten Mangel geführt. Nach Schätzungen der Road Haulage Association fehlen rund 100.000 Lkw-Fahrer. Die Folge: massive Lieferprobleme bei Benzin und Lebensmitteln.

„Auch in Deutschland erleben wir einen schleichenden Angebotskollaps“, sagte Dirk Engelhardt, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Diesen Warnungen widerspricht unter anderem die Gewerkschaft ver.di.

„Deutschland geht die Arbeitskraft aus“, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, der „Süddeutschen Zeitung“. Aufgrund der demografischen Entwicklung werde die Zahl potenzieller Arbeitskräfte im typischen Berufsalter bereits 2021 um fast 150.000 sinken. In den kommenden Jahren werde es „deutlich dramatischer“. Im Juli klagten laut einer Umfrage des ifo Instituts insgesamt 34,6 Prozent, mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen über Fachkräftemangel. Das war der zweithöchste jemals gemessene Wert.

Deutschland könne die Lage nur mit einer deutlich höheren Zuwanderung in den Griff bekommen, sagte Scheele. Laut BA reichen die Arbeitskräfte hierzulande nicht aus, um den Bedarf zu decken. „Wir brauchen 400.000 Einwanderer im Jahr. Das sind deutlich mehr als in den Jahren zuvor“, prognostizierte der Agenturchef. Darüber hinaus sind die Qualifizierung von Hilfskräften und längere Arbeitszeiten für unfreiwillig Teilzeitbeschäftigte erforderlich.

Auch bei den Rohstoff- und Energiekosten sehen die deutschen Unternehmen laut Deloitte wachsende Risikofaktoren, „die für 42 Prozent der Unternehmen bedrohliche Ausmaße angenommen haben“. In der Automobil- und Chemieindustrie sind es sogar rund 70 Prozent.

Grundsätzlich beurteilen die befragten CFOs die Konjunkturaussichten weiterhin positiv, wenn auch nicht so optimistisch wie im Frühjahr oder im vergangenen Herbst. Hinsichtlich der Geschäftsaussichten für das eigene Unternehmen zeigten sich der Handel und die Konsumgüterindustrie am zuversichtlichsten. „Ein wichtiger Ausreißer ist die Autoindustrie, die für die nächsten zwölf Monate deutlich pessimistischer ist als die anderen Branchen.“

Die Investitionsabsichten der Unternehmen und ihre Einstellungsbereitschaft sind sehr hoch. „Hier gibt es zwei langfristige, sehr folgenschwere Entwicklungen“, sagte Börsch: „Einerseits die zunehmende Verknappung auf den Arbeitsmärkten, die sich im laufenden Jahrzehnt aufgrund der demografischen Entwicklung seit langem angeschlagener gesamtwirtschaftlicher Produktivität noch verschärfen dürfte und damit das Wachstum steigern.“

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