Montag, November 29, 2021
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Währungskrise in der Türkei: Keine iPhones mehr im türkischen Onlinehandel

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DDer rapide, aber zuletzt etwas gebremste Wertverlust der türkischen Lira hat auch zunehmende Folgen für Verbraucher und Unternehmen im Land. Türkische Medien berichten von Preiserhöhungen bei Benzin und Diesel sowie langen Schlangen von Warten und wütenden Autofahrern vor der Preiserhöhung am Donnerstag. Im Online-Handel sind einige Produkte wie iPhones nicht mehr verfügbar, weil Händler angesichts der unsicheren Lage und steigender Importpreise Produkte zurückhalten.

Eine ähnliche Botschaft gibt es aus der Immobilien- und Automobilbranche, wo Verkäufer ihre Angebote in Erwartung weiterer Preiserhöhungen zurückgezogen haben. Auf der anderen Seite versuchten Autohändler, ihre Bestände zu aktuellen Preisen aufzufüllen.

Auch bei Lebensmitteln verschärft sich die Situation, deren Preise im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um offiziell gemessene 27 Prozent gestiegen sind. Einige Supermärkte sollen die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln rationiert haben, andere berichten von Schwierigkeiten bei der Versorgung. Die türkischen Milchproduzenten forderten die Regierung auf, den Großhandelspreis für Milch um 55 Prozent zu erhöhen, weil unter anderem die Futtermittelpreise in die Höhe schossen.

Auch Exporteure, deren Geschäft eher vom Preisverfall profitieren soll und die Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seiner Niedrigzinspolitik stärken will, äußern sich kritisch. Der Präsident des Verbandes der Exporteure der Ägäis-Region in Izmir, Jak Eskinazi, sagte der Zeitung Cumhuriyet, Währungsschwankungen von bis zu 15 Prozent pro Tag, wie sie am Dienstag erreicht wurden, seien nicht zu bewältigen. „Das Eigenkapital unserer Geschäfte ist erodiert.“

Man muss kein Prophet sein, um zu erfahren, dass „die Banken bald so weit kommen werden, dass sie keine Kredite mehr vergeben können“.

Regierungsbeamte, die ähnlich denken, aber nicht zu Erdogan durchdringen würden, berichtet die Agentur Reuters unter Berufung auf Quellen in der Regierung. Erdogan konnte eine gewisse politische Erleichterung zeigen, indem er sich mit den seit Jahren verfeindeten Vereinigten Arabischen Emiraten (VEA) aussöhnte.

Zu den am Mittwoch erzielten Deals gehört ein Investmentfonds in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar, mit dem der Staatsfonds von Abi Dhabi Investitionen in der Türkei finanzieren wird. Zielsektoren der geplanten Direktinvestitionen sind die Sektoren Energie, Petrochemie, Technologie, Verkehr, Infrastruktur, Gesundheit, Finanzdienstleistungen, Ernährung und Landwirtschaft.

Zudem unterzeichneten die Zentralbanken der beiden Länder ein Kooperationsabkommen „zur Förderung der Zusammenarbeit“. Am Devisenmarkt wurde spekuliert, dass die VEA der türkischen Zentralbank über ein sogenanntes Swap-Abkommen eine Art Überziehungskredit gewähren könnte.

Ähnliche Abkommen bestehen bereits mit Katar, China und Südkorea. Vor diesem Hintergrund stabilisierte sich der Kurs der Lira am Donnerstag über 12 Lira je Dollar und rund 13,60 Lira je Euro.

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