Sonntag, Oktober 17, 2021
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Wie schlimm ist die Lage? Was Sie über Inflation wissen müssen

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Aus Deutschland ist es jahrelang verschwunden, jetzt ist es wieder da: Inflation. Strom wird teurer, ebenso der Friseur. Wie gefährlich ist, dass The Aktuelle News die Antworten auf die wichtigsten Fragen hat.

Was ist Inflation

Inflation ist ein allgemeiner, durchschnittlicher Preisanstieg. Es ist völlig normal, dass sich die Preise in einer Marktwirtschaft ändern. Manche steigen, manche fallen. Wenn also die Brötchen beim Bäcker um die Ecke oder der Haarschnitt beim Lieblingsfriseur teurer werden, ist das noch keine Inflation. Erst wenn nicht nur die Preise einzelner Güter und Dienstleistungen steigen, sondern auch die Preise im Allgemeinen, spricht man von Inflation.

Wie wird die Inflation berechnet?

Dazu betrachten Statistiker die Preise aller Güter und Dienstleistungen, für die Haushalte typischerweise Geld ausgeben. Dies ist der sogenannte Warenkorb, der in Deutschland vom Statistischen Bundesamt erstellt wird. Darunter sind 650 Warensorten – vom untergärigen Bier bis zum Haustier. Um die durchschnittliche Preiserhöhung zu berechnen, werden die Produkte im Warenkorb unterschiedlich gewichtet. Das bedeutet, dass Dinge, für die mehr Geld ausgegeben wird (zB Miete), stärker gewichtet werden als Dinge, für die weniger Geld ausgegeben wird (zB Hörgeräte). Daraus wird monatlich der „Verbraucherpreisindex“ berechnet. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr bzw. dem Vormonat ist die Inflationsrate.

Wie hoch ist die Inflation jetzt?

Im September waren die Verbraucherpreise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit fast 28 Jahren nicht mehr. Eine Vier aufs Komma stellten die Statistiker zuletzt im Dezember 1993 fest. Laut EU-Statistikamt Eurostat lag die Inflationsrate in der Eurozone bei 3,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Inflation war viele Jahre lang niedrig. Im vergangenen Jahr lag die Preissteigerungsrate in Deutschland bei 0,5 Prozent nach 1,4 Prozent im Vorjahr.

Was ist das Ziel der Europäischen Zentralbank?

Die EZB hat im Sommer ihr Inflationsziel geändert. Seitdem sieht sie Preisstabilität erreicht, wenn die Verbraucherpreise im Euroraum mittelfristig um zwei Prozent steigen. Das sei eine leichte Anhebung des Inflationsziels, das zuvor „unter aber nahe zwei Prozent“ lag. Die EZB sieht dieses Ziel als „symmetrisch“. Mit anderen Worten: Eine zu niedrige Inflationsrate ist für die Zentralbank ebenso negativ wie eine zu hohe Inflationsrate.

Warum sind die Preise stabil bei zwei Prozent und nicht bei null Prozent Inflation?

In einer gesunden Wirtschaft steigen die Preise tendenziell. Wenn die Wirtschaft wächst, wachsen auch Einnahmen und Ausgaben. Zwei Prozent sind ein weitgehend übliches Ziel, bei dem die Preisstabilität als erreicht gilt. Grundlage dafür ist keine exakte Berechnung. Vielmehr geht es darum, das Ziel nicht zu hoch oder zu niedrig zu setzen. Die EZB will eine sichere Distanz zur Deflation wahren, also dauerhaft fallende Kurse vermeiden. Dabei wird auch berücksichtigt, dass leichte Messfehler auftreten können. Eine gemessene Inflationsrate von null könnte auf einen leichten Rückgang des tatsächlichen Preisniveaus hindeuten. Außerdem: Die Eurozone hat 19 Mitglieder. Es gibt Länder mit höheren und Länder mit niedrigeren Inflationsraten. Würde die EZB einen durchschnittlichen Preisanstieg von null Prozent anstreben, müssten einige Mitgliedstaaten entsprechende Negativzinsen ausweisen, um den Preisanstieg in anderen Ländern auszugleichen.

Was ist an Deflation so unangenehm?

Wenn die Bevölkerung glaubt, dass die Preise auf breiter Front sinken, zögern sie, Geld auszugeben. Wenn Sie beispielsweise erwarten, dass ein neuer Fernseher in vier Monaten deutlich günstiger ist, kaufen Sie ihn erst dann. Sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch dieses Abwarten, werden die Preise tendenziell weiter sinken. Es zeichnet sich ein Teufelskreis ab, der mit der Geldpolitik schwieriger zu bekämpfen ist als die Inflation. Für Unternehmen bedeuten fallende Preise sinkende Umsätze. Einsparungen, Entlassungen oder sogar Insolvenzen können die Folge sein. Zudem bedeutet Deflation, dass die Schulden real wachsen. So wie Inflation Schulden abwertet, erhöht Deflation die Schuldenlast. Verbraucher und Unternehmen scheuen daher die Aufnahme von Krediten in einem deflationären Umfeld. Deflation ist Gift für die Wirtschaft.

Warum sind die Preise in letzter Zeit stark gestiegen?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Dies sind die wichtigsten:

1. Zu Beginn der Corona-Pandemie brach die Weltwirtschaft zusammen. Dies führte unter anderem zu fallenden Preisen. Doch die Wirtschaft erholt sich seit einigen Monaten – Verbraucher geben mehr Geld aus, Unternehmen produzieren und investieren mehr. Die steigende Nachfrage führt zu steigenden Preisen und damit zu Inflation. Preiserhöhungen werden dadurch erleichtert, dass Verbraucher im Corona-Lockdown Geld gespart haben – etwa durch ungewöhnliche Urlaubsreisen und Restaurantbesuche.

2. Dass die Inflationsraten derzeit so ungewöhnlich hoch sind, liegt auch daran, dass sie vor einem Jahr so ​​ungewöhnlich niedrig waren. Ein Vergleich zeigt, wie stark dieser sogenannte Basiseffekt ist. Im August lagen die Preise rund 3,9 Prozent höher als im Krisenjahr 2020. Sie lagen aber auch 3,9 Prozent höher als im August 2019. Das heißt: Gegenüber dem Vorkrisenniveau stiegen die Preise um knapp 2 Prozent pro Jahr.

3. Die globalen Lieferketten sind gestört. Das liegt unter anderem daran, dass viele Unternehmen während der Corona-Pandemie ihre Produktions- und Personalkapazitäten deutlich reduziert haben. Die Genesung kam überraschend schnell, und die Inbetriebnahme braucht Zeit – unter anderem weil Menschen gekündigt wurden, ihre Arbeitszeit reduziert oder gleich eine andere Stelle gefunden wurde. Das heißt: Die Nachfrage nach Produkten wächst schneller als das Angebot, was zu steigenden Preisen führt. Zudem hat die Corona-Pandemie die weltweiten Lieferwege in der Containerschifffahrt erschüttert, mit Staus vor vielen Häfen. Außerdem mangelt es an Containern. Die Folge: Die Engpässe verteuern den Transport.

4. Der Wirtschaftsboom und die Lieferschwierigkeiten nach der Corona-Rezession führen weltweit zu regelrechten Hamsterkäufen von Unternehmen. Sie versuchen, ihre Bestände aufzufüllen. Da dies weltweit geschieht, steigen auch die Preise.

6. In Deutschland wird die Inflation auch durch einen statistischen Sondereffekt angeheizt. In der zweiten Jahreshälfte 2020 hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuersätze gesenkt, um die Wirtschaft in der Pandemie anzukurbeln. Infolgedessen fielen die Preise zeitweise sogar. Seit Jahresbeginn gelten wieder die üblichen Tarife. Mit anderen Worten, die Inflationsrate wird im zweiten Halbjahr dieses Jahres steigen, da die durch die Steuersenkung billiger gewordenen Güter und Dienstleistungen als Maßstab herangezogen werden.

Welche Preise steigen besonders stark?

Vor allem Energie wird teurer. Öl ist so teuer wie seit sieben Jahren nicht mehr. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung sind auch die Kohle- und Gaspreise deutlich gestiegen. Dazu trägt in Deutschland auch die Anfang des Jahres eingeführte CO2-Steuer bei.

Hat die Inflation nicht hauptsächlich mit der Ausweitung der Geldmenge der EZB zu tun?

Kaum. Die Vorstellung, dass eine lockere Geldpolitik unweigerlich zu einer hohen Inflation führt, hat sich in den letzten Jahren als falsch erwiesen. Seit der Finanzkrise im Jahr 2006 ist das sogenannte Zentralbankgeld, also die Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken in der Eurozone, stark gestiegen, ohne eine hohe Inflation zu verursachen. Dies liegt daran, dass die maßgebliche Geldmenge M3, die das tatsächlich im Umlauf befindliche Geld umfasst, nur schwach wächst.

Wie gefährlich ist eine hohe Inflation?

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