Sonntag, Oktober 17, 2021
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Wirtschaftswissenschaften: Nobelpreis für Fake-News-Feinde

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ÖÖkonomen streiten sich gerne über alles und jedes – doch am Montag waren sie sich ausnahmsweise einmal einig: Den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaft an David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens zu vergeben, ist genau das Richtige.

Zwei tolle Leistungen machen die drei Nordamerikaner über jeden Zweifel in der Berufswelt hinaus. Erstens haben sie die Augen für ihr Thema geöffnet, weil die Welt viele Naturexperimente bereithält, die es ermöglichen, Ursache-Wirkungs-Beziehungen aufzudecken. Das bekannteste Beispiel: Ein US-Bundesstaat führt den Mindestlohn ein, ein anderer nicht – steigt die Arbeitslosigkeit im ersten Bundesstaat in die Höhe? Die Daten, die Card Anfang der 1990er Jahre auswertete, beantworteten die Frage überraschenderweise mit Nein.

Zweitens haben die Mikroökonomen Verfahren identifiziert und verfeinert, die es überhaupt erst ermöglichen, aus einer Masse von Daten die Ursache einer Entwicklung herauszufinden. Seitdem laufen Ökonomen weniger Gefahr, Pseudokausalitäten ausgesetzt zu sein.

Inhaltlich entsprechen die Aussagen der Forscher zu Arbeitsmarkt, Migration und Bildung dem linksliberalen Zeitgeist. Aber es wäre absurd anzunehmen, dass dies der Hauptgrund war, warum sie die höchste Auszeichnung erhielten. Will man die Auswahl politisch interpretieren, dann ist das so: In einer Zeit, in der Menschen gerne unbewiesene Thesen posaunen und in sozialen Netzwerken „Fake News“ verbreiten, rücken drei Forscher auf der Suche nach der Wahrheit ins Rampenlicht. Bei ihnen kommen zuerst die Fakten und dann die starken Aussagen.

Bei allem Applaus für die Preisträger darf nicht vergessen werden, dass empirische Forschungsergebnisse nicht allgemeingültig sind, sondern immer nur Mosaiksteine ​​für das Gesamtbild. Dass der Mindestlohn unter bestimmten Bedingungen keine Arbeitsplätze vernichtet, heißt nicht, dass er beispielsweise auch bei schlechter Konjunktur und hohen Stundenlöhnen gleich sein muss. Es ist den Forschern zu verdanken, dass sie selbst vor solchen Vereinfachungen warnen.

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