Samstag, Juni 25, 2022
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Wöhrmann auf der Hauptversammlung: „Die DWS war für mich mehr als meine berufliche Heimat“

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ZEh, Asoka Wöhrmann schaut fünfzehn Sekunden lang in die Kamera. Vielleicht wartet er auf ein Signal, um seine Rede auf der virtuellen Hauptversammlung der Fondsgesellschaft DWS zu beginnen. Seit letzter Woche ist klar, dass es seine letzte Hauptversammlung an der Spitze der DWS sein wird.

Wenige Stunden nachdem die Staatsanwaltschaft die Büros der DWS und der Deutschen Bank, die nicht über die Entlastung der Geschäftsführung abstimmen durfte, durchsucht hatte, wurde bekannt, dass Wöhrmann sein Amt als Vorstandsvorsitzender des Fonds niederlegt Gesellschaft. Bewiesen sind die Vorwürfe bisher nicht: Finanzprodukte sollen als nachhaltiger deklariert worden sein, als sie es tatsächlich waren – der englische Begriff „Greenwashing“ hat sich auch im Deutschen eingebürgert.

Besonders wirkungsvoll sind in diesem Zusammenhang die ersten Sekunden von Wöhrmanns letztem Auftritt: Als würde er seine Gegner anstarren, ihnen wortlos sagen wollen: Was wollt ihr eigentlich von mir? Bis auf wenige Sätze am Ende war das, was Wöhrmann zu sagen hatte, bereits vorher veröffentlicht worden. Das denkt die Deutsche Bank und das tut ihre Tochter auch. Spannend war jedoch, wie Wöhrmann seine Rede hielt: „In den letzten Monaten wurden Vorwürfe gegen die DWS und mich erhoben. Greenwashing-Vorwürfe, aber auch persönliche Angriffe und Drohungen. Egal wie unbegründet oder unhaltbar sie alle sind, sie haben ihre Spuren hinterlassen. (…) Das Geschäft der DWS, die treuhänderische Vermögensverwaltung für Kunden, ist zu wichtig, um in den Schatten gestellt zu werden.“

Wöhrmann spricht mit feierlicher Stimme, fast vorwurfsvoll. Dann verändert sich sein Timbre, Stolz ist deutlich zu hören. Es „war das erfolgreichste Jahr für die DWS aller Zeiten“. „Nachdem wir unsere Ziele für den Börsengang bereits im Geschäftsjahr 2020 vorzeitig erreicht haben, sind die Mittelzuflüsse in 2021 ein wichtiger Beleg für die bereits erfolgreiche Umsetzung unseres Wachstumsplans in der zweiten Phase der DWS.“

Wöhrmann lässt die Vorwürfe nicht unerwähnt. „Wir haben alle Anschuldigungen am 26. August 2021, dem Tag nach der Veröffentlichung des Artikels, in dem ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet wird, zusammen mit der Information, dass die Aufsichtsbehörden diese Anschuldigungen untersuchen, entschieden zurückgewiesen. Seitdem arbeiten wir umfassend mit allen Aufsichtsbehörden und Behörden zusammen. Er weist indirekt darauf hin, dass das Urteil bereits für ihn gefallen ist und der Freispruch lautet: „Man könnte auch sagen: Unsere Kunden haben gesprochen. Diese anhaltenden Zuflüsse in ESG-Produkte zeigen nicht nur das große Vertrauen unserer Kunden, sondern auch.“ die Qualität unseres ESG-Angebots.“

Und weiter: „Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ein Kraftakt werden würde. Wir haben auch nie gesagt, dass wir schon da waren.“ Wie weit die DWS entfernt ist, lässt Wöhrmann natürlich offen. Dann kam am Ende der Teil seiner Rede, der nicht vorab veröffentlicht wurde. Im Manuskript steht „Persönliche Bemerkungen“ in eckigen Klammern. Der Moment, in dem Wöhrmann vielleicht doch ein Fehlverhalten eingesteht? nein Wöhrmann bedankt sich bei seinen Mitarbeitern. „Sie alle haben die DWS und mich erfolgreich gemacht.“ Dann wird seine Stimme wieder melancholisch: „Die DWS war für mich mehr als meine berufliche Heimat. Sie war Teil meiner Familie.“ Was folgte, waren gute Wünsche für seinen Nachfolger Stefan Hoops.

Natürlich hatten die Aktionäre Fragen zum Greenwashing. Die Antwort überließ Wöhrmann seinen Geschäftsführungskollegen Stefan Kreuzkamp und Manfred Bauer. Welche Belastungen erwartet das Unternehmen durch die Vorwürfe? Das lässt sich noch nicht seriös beziffern. Was unternimmt das Management, um die Vorwürfe zu entkräften? Die Marke wurde geschärft. Warum kam es zu der Untersuchung? Wann rechnen Sie mit einer Klärung der Vorwürfe? „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und arbeiten mit den zuständigen Behörden zusammen.“

Immer wieder fällt das Wort Sonderausschuss. Der Aufsichtsratsausschuss berichtet wöchentlich an den Kontrollausschuss. Aufsichtsratsvorsitzender Karl von Rohr, der auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Hauptaktionärs Deutsche Bank ist, wollte sein Wissen nicht im großen Stil teilen. Immer wieder der Satz „Bislang liegen uns keine Erkenntnisse vor.“ Welches Auswahlverfahren der Wöhrmann-Nachfolger Hoops durchlaufen hat, will von von Rohr nicht verraten. „Das ist nicht Thema der Hauptversammlung“, wischt er die Frage ab.

Die Sprachlosigkeit spiegelt sich nicht im Abstimmungsergebnis der Minderheitsaktionäre wider: 82,4 Prozent stimmten für die Entlastung der Geschäftsführung um Wöhrmann. Im Aufsichtsrat waren es noch 81,8 Prozent. Kein Traumergebnis, aber auch kein Schlag ins Gesicht. Die Anleger urteilten anders: Die Aktien der börsennotierten Fondsgesellschaft verloren bis Donnerstagnachmittag 2,7 Prozent – das schmerzt Wöhrmann wohl mehr als das Abstimmungsergebnis auf der Hauptversammlung. In seiner Rede bezeichnete er die Korrektur des Preises als „nicht gerechtfertigt“.

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