Mittwoch, Oktober 27, 2021
StartWIRTSCHAFTWohnungsmarkt: Britische Immobilien erzielen Rekordpreise

Wohnungsmarkt: Britische Immobilien erzielen Rekordpreise

- Anzeige -


UTrotz einiger der wirtschaftlichen Turbulenzen nach dem Brexit im Vereinigten Königreich entwickelt sich der britische Immobilienmarkt weiterhin gut. Im September wurde mit einem Plus von 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat der stärkste Preisanstieg seit 14 Jahren gemessen. „Das durchschnittliche Eigenheim ist heute teurer denn je“, sagt Russell Galley, Manager bei der Halifax Bank, die den Hauspreisindex berechnet.

Ein typisches Haus, das sich auf der kleinen Seite der Insel befindet, kostet laut Halifax-Index jetzt durchschnittlich über Regionen hinweg 267.500 Pfund. Seit dem Ende des ersten Corona-Lockdowns im Sommer 2020 sind die Preise um 28.000 Pfund gestiegen. Hinter dem Bundesdurchschnitt gibt es große Unterschiede. Ein Haus oder eine Wohnung kostet in London doppelt so viel wie im Rest des Landes. Preise von weit über einer Million Pfund sind in besseren Vierteln die Norm.

Mit dem starken Aufschwung des Immobilienmarktes in den anderthalb Jahren nach dem Brexit und insbesondere während der Corona-Zeit haben Prognostiker nicht gerechnet. „Das war eine Überraschung“, gibt Andrew Burrell, Head of Real Estate Research bei Capital Economics in London, zu. „Vor einem Jahr hätten wir nicht geglaubt, dass das alles passieren würde.“ Auch während der tiefsten Corona-Rezession rutschte der Markt nicht ab.

Mehrere Faktoren haben die Preise während der Corona-Zeit in die Höhe getrieben. Einerseits profitieren Hauskäufer von den niedrigen Zinsen und günstigen Hypothekendarlehen. Auf der anderen Seite hat der Staat den Arbeitsmarkt unterstützt. Viele Briten hätten sich seit den Corona-Lockdowns mehr Wohnraum gewünscht, betont Halifax-Managerin Galley, und die Nachfrage nach größeren Häusern sei gestiegen. Zeitweise war von einer Flucht aufs Land die Rede. Hinzu kam ein weiterer besonderer „Pandemie-Effekt“, erklärt Burrell: Während des Lockdowns haben die Mittel- und Oberschichten mehr Geld gespart als sonst, und viele wollen dieses Geld nun ausgeben.

Auch die Steuerpolitik war ein wichtiger Faktor. Finanzminister Rishi Sunak hat die Grunderwerbsteuer vorübergehend ausgesetzt, um den Wohnungsmarkt zu stützen. Die Briten sprechen von einer „Steuererleichterung“. Bis zu einer halben Million Pfund Kaufpreis wurde auf die 3-Prozent-Steuer verzichtet. Ende September ist die Steuererleichterung ausgelaufen – das hat viele Käufer zum schnellen Handeln ermutigt. „Auch nach dem Ende der Steuererleichterung erwarten wir keinen Crash, höchstens eine Verlangsamung der Preissteigerungen“, sagt Burrell.

Die Immobilien- und Bauindustrie sind für die Wirtschaft der Insel wichtig. Die meisten Briten sind Eigenheimbesitzer, mehr als zwei Drittel besitzen ein Eigenheim, das den Großteil ihres Vermögens ausmacht. Die Preisentwicklung ist daher auch ein politisches Thema. Pessimisten sagten für den Brexit einen Einbruch voraus, der jedoch nicht eintrat. Lediglich in London sind die Preise vor allem im Top-Segment vorübergehend gesunken. Der Preisanstieg im Bundesdurchschnitt verlangsamte sich 2018 und 2019 auf rund 2 Prozent, bevor er 2020 und 2021 kräftig anzog.

Burrell hält es für schwer zu sagen, wie sehr sich der Brexit, der am 1. Januar 2020 stattfand, wirklich auf den Immobilienmarkt ausgewirkt hat. Einige EU-Bürger haben das Land verlassen, insbesondere diejenigen aus dem Großraum London. Die Rede war von mehreren Hunderttausend weggezogenen EU-Ausländern. Für die Zukunft wird mit weniger Einwanderung nach Großbritannien gerechnet. „Die demografische Entwicklung dürfte den Markt etwas drücken“, sagt Burrell. Die hohen Mieten in London sind etwas gesunken.

Im Top-Segment der absoluten Luxusimmobilien gibt es derzeit jedoch keine Delle, im Gegenteil, die Preise klettern weiter auf Rekordhöhen. Im vergangenen Frühjahr zahlte ein chinesischer Milliardär mehr als 210 Millionen Pfund (245 Millionen Euro) für einen siebenstöckigen, edlen Altbau mit 45 Zimmern im Nobelviertel Knightsbridge. Superreiche Asiaten, Russen und Araber kaufen in der britischen Metropole Luxuswohnungen und Zweitwohnungen. Laut Immobilienmakler Beactive sind derzeit 317 Immobilien mit Angebotspreisen über 10 Millionen Pfund auf dem Markt. Es wird gesagt, dass die globale Elite zunehmend in London kauft.

Am unteren Ende des Marktes wird hingegen zunehmend beklagt, dass der Preisanstieg es für Erstkäufer schwierig macht, sich ein kleines Eigenheim zu leisten. Im nächsten Jahr erwarten Ökonomen steigende Leitzinsen. Das könnte den Markt dämpfen.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare