Dienstag, September 27, 2022
StartWIRTSCHAFTWohnungsprobleme: "Wie soll eine Familie das bezahlen?"

Wohnungsprobleme: „Wie soll eine Familie das bezahlen?“

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ZZwanzig mal dreißig Meter misst die Baulücke von Andreas Ibel. Eigentlich hätte sich hier zwischen zwei Bestandsgebäuden im Hamburger Stadtteil Hohenfelde schon lange etwas tun sollen. Dort, wo heute nur das Dach der Tiefgarage des Nachbargebäudes steht, könnte ein Neubau mit 15 Wohnungen entstehen. Wären da nicht der abrupte Stopp der KfW-Förderung, das gestiegene Bauinteresse und die Explosion der Materialkosten gewesen. Die Planungen sind längst überfällig und die Baugenehmigung liegt vor.

Doch Ibels Rechnung geht nicht mehr auf. Für 16 bis 17 Euro kalt pro Quadratmeter hätten die neuen Wohnungen vermietet werden sollen, sagt der Chef des Immobilienunternehmens Airea, während er mit seinen Unterlagen über die Steine ​​stapft. Unter den neuen Bedingungen würde die Rechnung mehr als 20 Euro betragen. In einem mittelgroßen Wohngebiet wie diesem ist das utopisch. „Die Leute können das nicht mehr bezahlen“, sagt Ibel. Und nun? „Jetzt lass uns nichts tun.“

Wie der Hamburger Unternehmer stellen derzeit viele Immobilienentwickler in Deutschland ihre Pläne auf Eis. In einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts meldete mehr als jedes zehnte Unternehmen im Bauhauptgewerbe die Absage von Wohnungsbauprojekten. Die Kündigungswelle habe im April begonnen, schreiben die Forscher. Auch das Interesse, neue Projekte anzugehen, nimmt ab. Im Juni wurden in Deutschland nur 30.425 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das ein Minus von 4,5 Prozent.

Noch verheerender ist die Resonanz, die der Bundesverband unabhängiger Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), dessen Vizepräsident Andreas Ibel ist, auf eine Umfrage unter seinen 1.600 Mitgliedern erhielt. 70 Prozent der Unternehmen gaben an, geplante Bauvorhaben nicht mehr zu realisieren. Im Durchschnitt betrifft dies die Hälfte ihrer Projekte. „Das ist keine Beule im Neubau, das ist die Notbremsung einer ganzen Branche“, sagte Verbandschef Dirk Salewski.

Diese Zahlen verheißen nichts Gutes für die Bundesregierung. Eigentlich sollte es anders laufen. Laut Ampelkoalition sollen jährlich 400.000 neue Wohnungen gebaut werden, gut 100.000 mehr als zuletzt in Deutschland. Der Bedarf ist da, vor allem in den Ballungsräumen. In Städten wie Berlin, Frankfurt oder München bewerben sich teilweise mehrere hundert Bewerber auf eine freie Wohnung. Und wenn sie den Zuschlag bekommen, zahlen sie mangels Alternativen fast jeden Preis. Jetzt muss das Angebot die Nachfrage einholen.

Deutschland hat erstmals seit Ende der 1990er-Jahre wieder ein Bauministerium, nicht nur ein paar Ressorts, die auf das Koalitionsgefeilschen im Verkehrs-, Umwelt- oder Innenministerium angewiesen waren. Für den 12. Oktober ist ein großer Wohnungsgipfel geplant. Doch Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) ist kein Bundesbauunternehmen. Sie kann den Rahmen setzen, andere müssen ihn bauen. Kommunale Unternehmen, Genossenschaften, privat. Doch alle stehen vor dem gleichen Problem: Es rechnet sich nicht mehr. Das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen wird laut BFW „nicht annähernd“ erreicht. Axel Gedaschko, Präsident des Gesamtverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW), nennt die Nummer „Müll“.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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