Montag, Januar 24, 2022
StartWIRTSCHAFTWürth-Chef zu Lieferketten: „Viele Unternehmen haben überreagiert“

Würth-Chef zu Lieferketten: „Viele Unternehmen haben überreagiert“

- Anzeige -


nFür die aktuell gravierenden Lieferkettenprobleme sind nach Ansicht von Würth-Chef Robert Friedmann die kurzfristige Planung vieler Unternehmen und eine Überreaktion beim ersten Lockdown 2020 mitverantwortlich. Seine Fraktion habe die Krise besser überstanden, weil sich die Geschäftsführung im Frühjahr 2020 anders verhalten habe als viele andere, sagte er in einem Video-Call mit der FAZ

Damals passte das als Schraubenhändler bekannte Unternehmen, das mit Montage- und Befestigungstechnik sein Geld verdiente, die Kapazitäten an, ging aber nicht mit der Axt vor. „Wir wussten, dass dieser Lockdown nicht ewig dauern würde.“ Deshalb sind die Lieferkettenprobleme bei Würth heute geringer als bei anderen. „Die Verschiebungen in den Lieferketten sind aus unserer Sicht darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen überreagiert haben.“

Da Würth nicht börsennotiert ist, hatten sie einen Vorteil. „Der Familie Würth geht es um langfristigen Erfolg. Wir haben mehr Ausdauer. Das hat sich ausgezahlt. „Viele der Beteiligten hätten die Finanzmarktkrise 2008 bereits erlebt und daraus gelernt, Kapazitäten weniger stark anzupassen. Es profitiert nach eigenen Angaben auch davon, dass es zunehmend auf die eigene Produktion setzt. Dies garantiere eine „gewisse Unabhängigkeit von globalen Lieferketten“. 80 Prozent der Würth-Ware stammen aus Europa.

Anlass der Diskussion war die Bekanntgabe des vorläufigen Konzernabschlusses für das vergangene Jahr. Rekordwerte setzt das Unternehmen aus Künzelsau im Nordosten Baden-Württembergs. 2021 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 18,5 Prozent, um knapp ein Fünftel auf 17,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis lag bei 1,2 Milliarden Euro. Beides sind nach Unternehmensangaben Rekordwerte. Auch beim Umsatz verzeichnete der Konzern 2020 leichte Zuwächse. Für das laufende Jahr rechnet er mit einem Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich, vielleicht sogar zweistellig.

Friedmann räumte ein, dass ein Teil des Umsatzwachstums auf die Inflation zurückzuführen sei. Als Größenordnung nannte er 4 bis 5 Prozent. Die Einkaufspreise sind schneller gestiegen als die Verkaufspreise. „Das merken wir an der Bruttomarge. Wir konnten die Preise nicht ausreichend weitergeben“, sagte er trotz des operativen Rekordergebnisses.

Vor allem die Frachtkosten seien stark gestiegen, sagte Würth in einer Präsentation. Die Containerpreise für einige Strecken haben sich seit Beginn der Pandemie mehr als vervierfacht. „Wir haben Frachtkosten, die keiner von uns in unserer beruflichen Laufbahn je gesehen hat“, sagte Friedmann. Seiner Meinung nach haben die Speditionen viel Marktmacht und konnten daher die Preise anheben. Der dänische Riese Maersk konnte seine Rendite von 9 auf 30 Prozent steigern.

Friedmann kritisierte auch die Pläne der EU, Strafzölle auf Schrauben aus China zu verhängen, um Dumpingpreise zu bekämpfen. „Staatlicher Protektionismus führt immer zu Ungleichgewichten. Der durch den Strafzoll verursachte Schaden ist größer als der Nutzen. Dann wird es Gegenreaktionen geben. „Da Würth aber viele der Schrauben in Europa fertigt, haben die Pläne das Unternehmen kaum berührt. Das von den Dumpingpreisen betroffene Segment spielt für Würth ohnehin kaum eine Rolle.

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr viele neue Mitarbeiter eingestellt. Die Mitarbeiterzahl wuchs um rund 4.000 auf insgesamt über 83.000, davon 25.000 in Deutschland. Der verstärkte Einsatz von Homeoffice hilft Würth laut Friedmann bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Die Kleinstadt Künzelsau liegt im Landkreis Hohenlohe, in dem vergleichsweise viele Großunternehmen ansässig sind, aber eher ländlich geprägt ist.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare